Grüner Tee und seine Geschichte

Historie Grüntee 

Grüner Tee und seine Geschichte

Geschichte des grünen Tees: Seit etwa 5.000 Jahren wird Grüntee in China und seit etwa 1.500 Jahren in Japan geschmacklich und als große Heilpflanze kultiviert.

Ursprung der Camellia sinensis

Die Teepflanze Camellia sinensis, Ursprung aller Teesorten und des grünen Tees, kommt in den beiden Varietäten Sinensis und Assamica vor. Die kleinere Pflanze var. Sinensis nennt man ihrer Herkunftsregion nach auch den Chinastrauch. Die var. Assamica wird so aufgrund ihrer natürlichen Umgebung in Assam (Indien) benannt. Die hochwertigen grünen Tees werden aus der var. Sinensis gewonnen. Es ist meines Wissens wissenschaftlich nicht ganz geklärt, ob die Camellia sinensis ursprünglich aus China, oder Indien stammt. Vermutungen und Indizien legen jedoch eine botanische Herkunft aus dem Süden der chinesischen Provinz Yunnan nahe.

Camellia Sinensis var. Sinensis

Camellia Sinensis var. Sinensis

Camellia Sinensis var. Assamica

Camellia Sinensis var. Assamica

Geschichte des Tees in China

Medizin war der Tee zuerst, Getränk wurde er danach.“ (1, S. 9).

Die erste Tasse netzt mir Lippen und Kehle. Die zweite verscheucht meine Einsamkeit, die dritte durchdringt mein unfruchtbares Innere, um darin nichts weiter als einige fünftausend Bände wunderlicher Ideogramme zu finden. Die vierte Tasse erregt einen leichten Schweiß – alles Schlechte des Lebens schwindet durch meine Poren dahin.Bei der fünften Tasse bin ich geläutert; die sechste ruft mich ins Reich des Unvergänglichen. Die siebente Tasse, -ah, aber ich kann nicht weitertrinken. Ich fühle nur den kühlen Windhauch, der sich in meinen Ärmeln fängt. Der Horaisan (Anm.: das chinesische Elysium), wo liegt er? Laßt mich mit diesem lieblichen Windhauch segeln und dorthin schweben.“ (Lo-Tung, Dichter der Tang-Dynastie, 1, S. 29f.).

Im Grunde kann die Geschichte des Tees in drei wesentliche Abschnitte und Philosophien geteilt werden: 1. Dem Kochen von Teekuchen / Teeziegel in der Tang-Dynastie, 2. dann dem Schlagen zu Pulver vermahlenen Tee in der Song-Dynastie und 3. schließlich dem Brühen von Teeblättern seit der Ming-Dynastie, wie heute noch in Gebrauch.

Entdeckung durch Kaiser Shennong

Die Geschichte des grünen Tees beginnt in der Überlieferung vor etwa 5.000 Jahren in China. Der Legende nach wurde er durch den verehrten Kaiser Shennong (2.737 v. Chr.) entdeckt. Ursprünglich handelte es sich um wildwachsende Teesträucher und -bäume, die vor allem in den Gebirgsregionen Südchinas wuchsen. Die Beobachtung der entgiftenden, erfrischenden und belebenden Wirkung der Teeblätter, aber auch ihrer anderen großen Heilfähigkeiten, führten zu ihrem Gebrauch vor allem von buddhistischen Mönchen und der chinesischen Oberschicht. Die Entwicklung und Verbreitung des Tees war eng mit den Fragen und Problemen der Herstellung und Haltbarkeit verbunden.

Kaiser Shen Nong

Kaiser Shen Nong

Kochen des Tees in der Tang-Dynastie (Teekuchen)

Bereits aus dem 4. und 5. Jahrhundert n.Chr. ist bekannt, dass der Tee damals ganz anders als heute üblich zubereitet wurde. Man dämpfte die Teeblätter nach der Ernte, zerkleinerte sie in einem Mörser und presste sie zu einem Teekuchen (auch Teeziegel genannt). Der Tee wurde dann zusammen mit verschiedensten anderen Zutaten, wie z.B. Reis, Ingwer, Salz, Orangenschalen, Zwiebeln, in Wasser gekocht (vgl. 1, S. 26). Während der Tang-Dynastie (618 – 907 n. Chr.) war dies die vorherrschende Art der Zubereitung. Aber es ist auch der Gebrauch von Umschlägen mit zerstampften Teeblättern überliefert, der vor allem gegen rheumatische Beschwerden empfohlen wurde. Während dieser Zeit setzte die erste größere Verbreitung des Tees ein.

Teeziegel

Teeziegel

Teekuchen-gepresst

Teekuchen

Schlagen des Tees in der Song-Dynastie (Pulvertee)

Einen großen Entwicklungsschritt kam die Teekultur schließlich in der folgenden Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.) voran. Der erste aufgeschäumte Pulvertee und die Teezeremonie wurden hier in entwickelt und weit in die Alltagskultur verbreitet (insbesondere über China hinaus auch nach Japan). Es entstand die zweite Schule der Teezubereitung, der „geschlagene Tee“. Diese Form der Zubereitung löste das bisherige Kochen der Teekuchen mit anderen Zutaten weitgehend ab und wurde sehr verfeinert.

Grünteepulver Mocha

Grünteepulver Mocha

Aufbrühen des Tees seit der Ming-Dynastie (Aufguss)

Im 13. Jahrhundert wurde diese Errungenschaft durch den Einfall und die Herrschaft der Mongolen in China weitgehend unterbrochen und sogar fast ganz entfernt. Die Mongolen waren das Trinken groben oxidierten Tees gewohnt und hatten wenig Sinn für die feine Teekultur der Song-Dynastie. Das Erbe der Mongolen wirkte in dieser Hinsicht nachhaltig. Die Teepulver-Zubereitung wurde auch in späteren Jahrhunderten nicht wiederbelebt und spielt in China bis heute – im Gegensatz zu Japan – leider nur eine untergeordnete Rolle.

In der Ming-Dynastie (1368 bis 1644 n.Chr.) entwickelte sich schließlich die heutige Zubereitungsform des Aufgiessens bzw. Brühens von getrockneten Teeblättern und die heutigen Verfahren zum Trocknen und Stoppen der Oxidation auf breiterer Basis. Die Kultur des grünen Tees ist bis heute auf das Engste mit der chinesischen Geschichte verbunden. Erst ab dem 16. Jahrhundert mit der Verfeinerung der Teezeremonie und ab dem 18. Jahrhundert mit der Entwicklung neuer Herstellungsverfahren gab dann auch Japan entscheidende Impulse für die Entwicklung und Kultur der Grüntee-Geschichte und führte den Anbau und die Verarbeitung des Tees sowie die Herstellung seiner Zubereitungsutensilien auf bis heute unerreichte Höhen.

Weitere Details finden sich im Beitrag Geschichte des grünen Tees in China.

Tee in feiner Gesellschaft

Tee in feiner Gesellschaft

Tee im Alltagsleben

Tee im Alltagsleben

Grüner Tee in Japan

Kirschbluete

Der grüne Tee und der Zen-Buddhismus Japans 

Der grüne Tee kam im 8. Jahrhundert erstmals über buddhistische Kontakte von China nach Japan. Buddhistische Mönche auf gezielten Reisen und japanische Mönche, die nach ihrem Studium in China nach Japan heimkehrten, ermöglichten dies. Der Buddhismus und die besonderen Eigenschaften des grünen Tees spielten und spielen dabei bis heute eine wesentliche Rolle. Die Mönche nutzten den Tee gerne wegen seiner gesundsheitsfördernden und wachmachenden sowie konzentrationssteigernden Eigenschaften für lange Meditationen. Darüber hinaus ist im Laufe der Zeit die Philosophie des Zen-Buddhismus stark in den „Teeweg“ eingeflossen und hat die Teemeister und damit auch die gesamte Teekultur maßgeblich geprägt. Grüner Tee bedeutet in Japan wesentlich mehr als ein wohlschmeckendes und gesundes Getränk.

saicho

Mönch Saicho

Kukai

Mönch Kukai

Eisai

Mönch Eisai

Teezeremonie und Sen no-Rikyu

Zunächst war der grüne Tee in Japan nur in sozial höhergestellten Kreisen und nur zur Nutzung als Medizin bzw. wegen seiner Heilwirkungen in Verwendung und damit wenig verbreitet. Erst ab dem 16. Jahrhundert änderte sich dies langsam. Ohne den kulturbremsenden Einfluss der Mongolen, wie dies in China, dem Ursprungsland des grünen Tees, ab dem 13. Jahrhundert der Fall war, entwickelte sich der Tee in Japan zu einem wichtigen Pfeiler im alltäglichen und kulturellen Leben. Einen wichtigen Anteil daran hatte Sen no-Rikyu (1522-1591), als einer der wesentlichen Begründer der Kunst der Teezeremonie. Der grüne Tee des „Teewegs“ – der Pulvertee Matcha –  stellt dabei mehr eine Lebensphilosophie als nur ein wohlschmeckendes und gesundes Getränk dar, eng mit den Vorstellungen des Zen-Buddhismus verknüpft und aufs äußerste verfeinert. Der Tee, seine Zubereitung, die Utensilien, der traditionelle Teeraum und sein Garten  sind Sinnbild für die Weg zur metaphysischen Vervollkommnung. Über Jahrhunderte hinweg inspirierten und beeinflussten die großen Teemeister Japans viele andere Kultur- und Kunstrichtungen des Landes, wahrscheinlich wie keine andere Disziplin. Im besonderen profitierten die Keramik, die Lack-Erzeugnisse, die Lyrik und die Philosophie bis heute von ihrem Einfluss.

Sen no Rikyu

Sen no Rikyu

Neue Verfahren und die Öffnung Japans

1738 n. Chr. wurde durch Soen Nagatari ein neues Verfahren zum sogenannten Rollen der Teeblätter nach der Dämpfung erfunden, was bis heute unter der Bezeichnung Sencha verwendet wird. 1835 wurde die alte Methode der Reisstrohbedeckung der Teepflanzen durch Kahei Yamamoto zum Gyokuro entwickelt. Aber erst mit der Öffnung der Handelshäfen ab 1859 und des Beginns des Teeanbaus durch die ehemaligen Samurais im größeren Stil wurde Tee ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs in Japan. Etwas später konnte die Produktion besonders schnell durch den Einsatz von Maschinen bei der Herstellung und Ernte wachsen.

Detailliertere Informationen finden sich im Artikel Geschichte des grünen Tees in Japan.

Burg Himeji

Burg Himeji aus dem 17. Jhdt.

Geschichte des grünen Tees in Europa

Die frühesten Überlieferungen zur Existenz von Tee finden sich in Europa angeblich in den Schriften eines arabischen Reisenden, der von der Tee- und Salzsteuer als die wichtigste Einnahmequelle in Kanton nach 879 n.Chr. berichtete (vgl. 1, S. 16). Auch die Schriften von Marco Polo erzählen vom Tee und zwar von der Entmachtung eines chinesischen Finanzministers 1285 nachdem dieser eigenmächtig die Teesteuer erhöht hatte (vgl. 1, S. 16). Besonders hervorzuheben bei der weltweiten Verbreitung des grünen Tees ist der chinesische Admiral Zheng He, der im 15. Jahrhundert mit einer riesigen Handels- und Schutzflotte (bis zu 30.000 Männer) große Expeditionen nach Afrika und Asien unternahm und ein riesiges Handelsnetz aufbaute. Eines der wichtigen Handelsgüter war der begehrte chinesische grüne Tee. Neben den belegten großen Reisen und Netzwerken in diese Kontinente vermuten Historiker auch, dass Zheng He sogar Entdeckungsfahrten bis nach Nord- und Südamerika unternahm.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kamen durch die holländischen Kaufleute schließlich vermehrt Nachrichten über den Verzehr von Tee nach Hause. Nach Europa gelangte der Tee aber erst im Jahre 1610 durch die niederländische Ostindien-Kompanie mit einem europäischen Monopol für den Handel mit Asien. Auf dem etwa sechs Monate langen Seeweg in schlechten Laderäumen nahm die Qualität starken Schaden. Dennoch war er in der gesellschaftlichen Oberschicht beliebt und auch in Apotheken als Heilpflanze käuflich. Nach Frankreich gelangte er 1636 und nach Russland 1638, während er 1650 erst nach England kam (vgl. 1, S. 17). Die Preise für Tee waren längere Zeit unerschwinglich für das einfache Volk, so dass er vorwiegend von der Adelsschicht und reichen Kaufleuten verwendet wurde.

Im 18. Jahrhundert fand der Tee jedoch trotz dieser Hürde in ganz Europa eine rasante Verbreitung und Teehäuser füllten die Metropolen der Länder.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde nach Europa fast ausschließlich grüner Tee geliefert. Der Import von schwarzem Tee wurde durch die Engländer aufgrund ihres Handelskampfes mit China und des größeren Ertrags, der in Indien wachsenden und für grünen Tee ungeeigneten Camellia Sinensis Var. Assamica, erst zu diesem Zeitpunkt begonnen und sehr erfolgreich intensiviert.

Grüner Tee in Indien

Erst 1823 entdeckte der schottische Major Robert Bruce in der indischen Region Assam, dass der grüne Tee (in der Varietät Assamica) auch in Indien wildwachsend vorkommt. Bis dato nahm man an, dass die Camellia sinensis nur in China wuchs. Dies war für England eine Sensation, dass sich in einen Wettstreit mit China um den Export von Tee weltweit begab. Durch Oxidation der Assamica gelang es, den Tee genießbarer zu machen, da die Bitterstoffe in wohlschmeckende Aromastoffe gewandelt wurden. Aufgrund seiner Farbe wurde er schwarzer Tee genannt. Dieser verliert durch die Oxidation leider den wesentlichen Teil seiner allgemeinen gesundheitlichen Wirkung und nur wenige sehr ausgesuchte Qualitäten schwarzen Tees besitzen dennoch wertvolle und harmonische Inhaltsstoffe.

Quellen:

1 Okakura, Kakuzo: Das Buch vom Tee, übertragen von Horst Hammitzsch, insel taschenbuch, 1. Aufl. 1979.



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