Teekanne aus Gusseisen

Teekessel 

Teekanne aus Gusseisen

Emaillierte Teekannen aus Gusseisen mit Teesieb sind für die Teezubereitung besonders praktisch und haltbar. Zum Wasserkochen eignen sich nur wenige Modelle.

Vorteile einer Teekanne aus Gusseisen

Teekannen aus Gusseisen sind in den letzten Jahren wegen ihrer besonderen Eigenschaften und ihrem hübschen Aussehen immer beliebter geworden. Sie verfügen als besonderer Typ unter den Teekannen über spezielle Vorteile: 

Hervorragende Wärmespeicherung

Für die Herstellung von Teekannen aus Gusseisen wird eine spezielle Eisenlegierung verwendet. Gusseisen ist poröser als reines Eisen und speichert dadurch wesentlich besser die Wärme, teilweise bleibt der Tee bis zu einer Stunde ohne Stövchen warm. Natürlich gibt es auch passende Stövchen für diese Teekannen, die gerade in der kalten Jahreszeit für eine angenehme Tee-Temperatur sorgen. 

Gleichmäßige Hitzeverteilung und praktisches Teesieb

Die Hitze verteilt sich durch das besondere Material auch sehr gleichmäßig in der gesamten Kanne, was dem besseren Ziehen des Tees und dadurch dem Geschmack zu gute kommt. Die Kannen werden in der Regel mit einem Edelstahl-Teesieb ausgestattet, so dass in Ihnen eine praktische Zubereitung des Tees vorgenommen werden kann.

Emaille-Beschichtung 

Hochwertige Teekannen aus Gusseisen sind innen mit einer qualitativ guten Emaillierung ausgestattet. Diese Schicht schützt nicht nur vor Rost, sondern nimmt auch deutlich weniger den Geschmack eines Tees an, als dies bei einer Teekanne aus Ton (Kyusu oder Yixing-Teekanne) der Fall ist. Bei besonders edlen Tees ist zwar eine Verfeinerung des Geschmacks durch die Mineralstoffe des Tons gewünscht, aber wenn man die Teesorte häufiger wechselt, oder auch kräftige Grünteesorten und gar Kräutertees oder Rooibostee in der Kanne zubereiten möchte, ist eine neutrale Schutzschicht aus Emaille von Vorteil.

Wunderschöne Muster und Reliefs

Zudem sehen die gusseisernen Teekannen sehr schön aus und besitzen meist eine traditionell japanische Form und Muster, wie das bekannte Arare (Hagelmuster), Hada (Hautmuster), Itome (Fadenmuster) oder Natur-Bildmotive. Siehe dazu auch den Beitrag Muster gusseiserner Teekannen. Eine hochwertige gusseiserne Teekanne bereichert durch ihre Ästhetik jede Küche bzw. jedes Esszimmer. 

Extreme lange Haltbarkeit bei richtiger Qualität und Pflege

Ein weiterer, nicht unwesentlicher Vorteil gusseiserner Teekannen, ist deren extrem lange Haltbarkeit. Sind die Kannen von guter Qualität und werden ordentlich gepflegt, halten sie in der Regel ein Leben lang. Alle wichtigen Tipps hierzu finden sich im Beitrag Anwendung, Reinigung und Pflege von Teekannen aus Gusseisen.

Beste Qualitäten aus Japan: Nanbu-Tetsubin

Die besten Teekannen aus Gusseisen stammen aus Japan und werden mit hoher Eisen-Qualität, wertiger Emaille-Beschichtung, unbedenklichen natürlichen Stoffen und besonderen Verarbeitungsschritten gefertigt. Sie werden Nanbu-Tetsubins genannt. Die billigsten Teekannen stammen aus China, Vietnam und Korea und ahmen die japanischen Vorbilder nach. Hier sollte man sehr auf die Produktbeschreibung und die verwendeten Materialien achten. 

Emaillierte versus unbeschichtete Kannen aus Gusseisen

Grundsätzlich ist bei den gusseisernen Kannen in drei unterschiedliche Varianten zu unterscheiden:

  1. Den innen beschichteten Teekannen für die Teezubereitung mit Teesieb (nicht zum Wasserkochen geeignet),
  2. den innen unbeschichteten Wasserkessel aus Gusseisen zum Wasserkochen,
  3. den innen beschichteten Teekannen, die zugleich zum Wasserkochen geeignet sind (Kombi-Produkt).

1. Teekannen aus Gusseisen: Innen beschichtet

Rostschutz meist durch Emaille

Da das in der Regel verwendete moderne Gusseisen rostanfällig ist, beschichtet man die für die Teezubereitung gedachten Kannen innen mit einer Rostschutzschicht, zumeist mit Emaille. Mit diesem Rostschutz eignen sie sich auch für die etwas längere Aufbewahrung von Wasser, ohne zu rosten. 

Emaille ist Kunststoff- oder Lackschicht vorzuziehen

Manche Billigkannen – teilweise aus China oder Vietnam – erhalten anstelle einer Emaillierung innen aber nur eine Kunststoffbeschichtung, oder gar nur eine Lackschicht mit synthetischen Lacken. In jedem Fall ist eine Emaille-Beschichtung vorzuziehen, sowohl in gesundheitlicher Sicht, als auch im Hinblick auf die Haltbarkeit. Emaille ist laut Duden definiert als: „Glasharter, gegen Korrosion und Temperaturschwankungen beständiger Schmelzüberzug, der als Schutz oder zur Verzierung auf metallische Oberflächen aufgetragen wird.“

Innen beschichtete Teekannen nicht zum Wasserkochen oder für Herd

Der Nachteil fast aller innen beschichteten Kannen aus Gusseisen ist, dass sie sich nicht für das Wasserkochen bzw. nicht für die Erhitzung direkt auf einem Herd oder auf einer offenen Flamme eignen (Ausnahme siehe 3. Kombi-Kessel). Dies liegt daran, dass die verschiedenen Materialien sich bei direkter Hitze schnell unterschiedlich ausdehnen und die Teekanne Risse bilden könnte, so dass sie nicht mehr funktionsfähig wäre. Zumindest wird sie aber sehr darunter leiden und unbotmäßig altern. Gerade bei Billigprodukten riskiert man, dass die Beschichtung innen rissig wird und das Wasser mit dem Gusseisen in Berührung kommt. In billigem Gusseisen könnten bedenkliche Stoffe, insbesondere Schwermetalle, enthalten sein. 

2. Wasserkessel aus Gusseisen: Innen unbeschichtet

Rostfreier Eisensand (Satetsu) erlaubt Weglassen der Innenbeschichtung

Ursprünglich wurde vor der Erfindung des modernen Gusseisens der traditionelle Eisensand (jap.: Satetsu) für die Kesselfertigung benutzt (siehe detaillierter unten). Dieses hochwertige Material besitzt enorme Vorteile und rostet wegen seiner Dichte und des geringen Kohlenstoffanteils fast nicht. Durch den guten Rostschutz muss der Kessel innen weder beschichtet noch besonders rostgeschützt werden. Dadurch kann ein Satetsu-Wasserkessel (jap.: Satetsu-Tetsubin) direkt auf dem Herd (inklusive Induktion, Gas und Feuer) erhitzt werden.

Verbesserung des Wassergeschmacks

Traditionell werden diese Kannen ausschließlich für das Wasserkochen verwendet, insbesondere für den Tee oder auch für guten Kaffee. Ein wesentlicher Vorteil des Satetsus liegt darin, dass es den Wassergeschmack stark positiv beeinflusst. Dies liegt an der chemischen Reaktion der besonderen Inhaltsstoffe des Gusseisens mit dem Wasser. Lässt man das Wasser in dem Kessel etwas länger köcheln, so wird es mit sehr bioaktivem Eisen angereichert und kann hervorragend für die gesunde Ernährung gezielt eingesetzt werden.

Satetsu: Höchste Qualität und Preis

Zugleich sind diese Tetsubins im Aussehen und in ihrer Anmutung die weltweit besten und schönsten gusseisernen Kannen überhaupt. Ihre Fertigung ist extrem aufwendig, was zu sehr hohen Preisen im Markt (>1000 €) führt. Sie sind trotzdem so begehrt, dass die bekannten Hersteller teilweise Lieferzeiten von 3 Jahren (!) aufweisen. Details zu diesen Top-Kesseln finden sich im Beitrag Satetsu-Tetsubin.

Gantetsu: Deutlich günstiger und trotzdem hohe Qualität

Preislich wesentlich günstiger liegen allerdings die japanischen Tetsubin aus Gantetsu (Fels-Eisen). Sie werden zwar aus rostananfälligem Gusseisen hergestellt, aber dieses wird in einem speziellen Hitzeverfahren so behandelt, dass es ebenfalls einen guten Rostschutz entwickelt. Weiterführende Informationen finden sich im Beitrag Gusseisen-Kessel zum Wasserkochen.

3. Kombi-Teekannen: Trotz Beschichtung für den Herd und Wasserkochen geeignet 

Fast alle innen beschichteten Teekannen sind aus dem oben genannten Grund nicht für die direkte Erhitzung auf einem Herd bzw. nicht für das Wasserkochen geeignet. Als Ausnahme ist mir momentan nur das Arare-Modell Typ 5 des bekannten japanischen Herstellers Iwachu bekannt (Nanbu aus der für Gusseisen berühmtesten Stadt Morioka). Diese Modell vereint sowohl die Vorzüge eines klassischen Wasserkessels (Tetsubins), als auch diejenigen einer gusseisernen innen beschichteten Teekanne.

Hohe Qualitätsunterschiede beim Kaufen beachten

Vor dem Kauf einer Teekanne aus Gusseisen sollte man sich unbedingt näher über die verschiedenen Qualitäten informieren. Billige Massenprodukte aus China und Vietnam überschwemmen und dominieren den Markt, weil sie bereits ab etwa 30€ erhältlich sind. Hochwertige handgefertigte japanische Teekannen werden Tetsubin Kyusu genannt (besonders hochwertig Nanbu- und Yamagata-Tetsubin), kosten ab etwa 90€ aufwärts und weisen massive Vorteile auf:

  • Hochwertiges und gesundheitlich unbedenkliches Gantetsu-Gusseisen mit wesentlich besseren Eigenschaften als Wärmespeicher, in der Haltbarkeit und im Geschmack. Manche Hersteller liefern sogar Schadstofffrei-Zertifikate.
  • Kombi-Kessel: Eignen sich trotz Beschichtung auch zum Wasserkochen und das durch einen Backprozess aktivierte Eisen verbessert den Wassergeschmack.
  • Innenbeschichtung durch hochwertiges, unbedenkliches Emaille mit langer Lebensdauer.
  • Aussenschicht nur mit natürlichen und unbedenklichen  Materialien, wie Urushi (Pflanzenlack), grüner Tee und Eisensand. Bei Verwendung von Farben kommen lebensmittelechte unbedenkliche Farben zum Einsatz.
  • Handgefertigte detaillierte Muster mit künstlerischer Lebendigkeit.
  • Leichtere, elegantere Formen.

Tabelle Qualitätsmerkmale von Teekannen und Wasserkessel aus Gusseisen 

 Teekanne aus Gusseisen mit innen Emaille-, Kunststoff-od. LackbeschichtungJapanische Teekanne aus Gusseisen: Tetsubin Kyusu
(Gantetsu) innen mit Emaille beschichtet
Japanischer Wasserkessel aus Gusseisen: Gantetsu- oder Satetsu-Tetsubin
Qualitätniedrighochhoch bis extrem hoch
ZweckTeezubereitung TeezubereitungWasserkochen und Eisenlieferant
Herkunftmeist aus China, aber auch aus Vietnam, Korea etc.JapanJapan
Fertigungmaschinellsemi-maschinell u. von Handvon Hand
Gesundheitlichbei Abnutzung ggf. bedenklichunbedenklich, teilweise zertifiziertunbedenklich
Material GussEisenlegierungenGantetsu-EisenGantetsu- oder Satetsu-Eisen (Eisensand)
Innen-BeschichtungEmailliert, Kunststoff, od. LackEmailleunemalliert, unbeschichtet
Haltbarkeitrelativ kurz, keine Wartung möglichsehr hoch, Wartung möglichsehr hoch, Wartung möglich
Induktionsherdneinneinja, je nach Modell
VorteilebilligWärmespeicher, haltbar, unbedenklich, schönverbessert Wasser-Geschmack erheblich (für Tee, Kaffee etc.), Top-Eisenlieferant, höchste Ästhetik, Teezeremonie
Nachteileggf. Material-Bedenklichkeit (Legierungen, Farben), Haltbarkeit, mangelnde Ästhetik, keinerlei Geschmacks-verbesserunghöherer Preis, keine Geschmacks-verbesserungPreis, wenig in EU erhältlich, nicht für Teezubereitung oder Aufbewahrung von Wasser geeignet
Preisband-Breite ca.30-60€90-300€Gantetsu: 90-350€
Satetsu: >1000€

Meiner Erfahrung nach lohnt sich ein Kauf angesichts dieser Vorteile und einer Lebensdauer von etwa 50 Jahren sehr. Die einzelnen Merkmale guter Qualität und woran man eine solches Produkt erkennen kann, sind im Beitrag Qualitätsmerkmale beim Kauf einer Teekanne aus Gusseisen zu finden. 

Entwicklung der Teekanne aus Gusseisen: Tetsubin Kyusu

Um die verschiedenen Modelle am Markt und ihre Eigenschaften verstehen zu können, ist zunächst dienlich, die Herkunft der gusseisernen Teekannen aus dem Bereich der gusseisernen traditionellen Wasserkessel (Tetsubin) zu verstehen.

Wasserkessel aus Gusseisen: Tetsubin 

Ein Tetsubin (japanisch: 鉄瓶 für „eiserner Wasserkessel“) ist ein hochwertiger Kessel aus Gusseisen, der seit Hunderten von Jahren in Japan auf traditionelle Weise gefertigt wird. Ursprünglich wurde er nur für das Kochen von Wasser und nicht für das Ziehen des Tees verwendet. Der Wasserkessel aus Gusseisen verbessert durch die chemische Reaktion des Eisens in erheblicher Weise den Geschmack des Wassers für den Teeaufguss und besitzt somit für Geniesser eine sehr geschätzte Funktion in der Zubereitung von grünem Tee. Bis heute spielt er vor allem auch in der japanischen Teezeremonie eine tragende Rolle. Hier kommen höchste Qualitäten zum Einsatz. Im Beitrag Geschichte der Kessel aus Gusseisen wird die Herkunft und Entwicklung des japanischen Tetsubin näher erläutert.

Ursprünglicher Tetsubin aus Sandeisen (Satetsu)

Die Wand eines Tetsubins bestand ursprünglich aus reinem unbeschichteten Eisenguss. Durch die traditionelle Verwendung von in Japan natürlich und reichlich vorhandenem nicht rostendem Eisensand für den Guss (sehr aufwendig und sehr teuer) gelang es, dass der Kessel trotz Wasserkontakt nicht rostetete und zugleich das Wasser geschmacklich durch eine chemische Reaktion verbessert. Ohne Innenbeschichtung, beeinflusst das Eisen die Viskosität und Oberflächenspannung des Wassers, verbessert den Geschmack und reichert das Wasser beim längeren Kochen erheblich mit Eisen an und gilt so auch als guter Eisenlieferant für die Ernährung. Diese Eisensand-Kessel heissen Satetsu-Tetsubins und gelten als allerbeste Tetsubins (Wärmespeicherung, Geschmack, Aussehen) zu höchsten Preisen. Die sogenannten Nanbu– und Yamagata-Tetsubins gelten nach ihrer Herkunftsregion als beste Qualität (siehe weiter unten). Detaillierte Informationen finden sich im Beitrag Satetsu-Tetsubin. Da Gusseisen eine poröse Struktur besitzt, sind die Kessel nach dem Guss an manchen wenigen Stellen undicht. Diese Stellen werden in Japan traditionell durch einen natürlichen Saft aus dem Urushi-Baum abgedichtet.

Spätere Entwicklung des Tetsubin aus Rock Iron (Gantetsu)

Mit der Industrialisierung nach der Meiji-Restauration hielten auch in Japan moderne Prozesse der Eisenverarbeitung Einzug. Anstelle des zwar außerordentlich guten aber extrem aufwendigen und teuren Sandeisen-Gusses wurden nun auch Tetsubins im günstigeren Grauguss-Verfahren hergestellt. Eine weiterhin hochwertige Handfertigung und sehr gutes japanisches Eisen (englisch: Rock Iron, japanisch: Gantetsu 岩鉄) bringen immer noch sehr hohe Qualitäten hervor. Auch diese Gantetsu-Wasserkessel werden weiterhin stellenweise mit Urushi abgedichtet.

Teekanne aus Gatetsu-Gusseisen mit Emaille-Beschichtung

Erst seit jüngerer Zeit wurde für die Zubereitung von Tee ein Tetsubin geschaffen, der innen komplett mit einer hochwertigen Emaille-Schicht überzogen ist. Durch diesen vollständigen Rostschutz eignet sich der Kessel auch, um die Teeblätter in seinem Inneren mit heissem Wasser zu übergiessen und ziehen zu lassen. Leider kann durch die Emailleschicht das Wasser nicht mehr mit dem Eisen reagieren, so dass es keine geschmackliche Verbesserung gibt. 

Bei Massenprodukten wird anstelle der Emaillierung teilweise auch eine Kunststoffschicht oder künstlicher Lack verwendet. Dies lässt ebenfalls keine Geschmacksverbesserung zu, ja wirkt teilweise durch den Eigengeruch der verwendeten Materialien sogar verschlechternd und kann gesundheitlich bedenklich sein.  

Gusseiserne Teekannen und Wasserkessel im Test 

Heute kann das Angebot im Markt für Teekannen und Wasserkessel in jeweils  zwei unterschiedliche Typen bzw. Qualitäten eingeteilt werden. Am häufigsten finden sich innen emaillierte oder mit Kunststoff ausgekleidete Teekannen aus billigster Massenherstellung in China, Vietnam oder Korea. In Japan werden hingegen hochwertige Kessel aus Gantetsu-Gusseisen in den Städten Morioka und Oshu/Mizusawa („Nanbu Tetsubin“) und in der Region Yamagata von Hand gefertigt. Sie werden entweder als traditionelle unbeschichtete Wasserkessel (Tetsubin) oder als mit Emaille-beschichtete Teekannen (Tetsubin Kyusu) gefertigt. Mittlerweile existiert auch ein Kombi-Produkt des bekannten Hersteller Iwachu, der beide Vorteile verbindet und preislich günstig ist. Zudem gibt es in der höchsten Qualitätsstufe auch besonders hochwertige Wasserkessel aus Sandeisen (Satetsu), die nicht rosten und daher unbeschichtet verkauft werden können. Es lohnt sich deren Unterschiede, Anwendungszwecke und Merkmale genauer zu kennen.

Nanbu Tetsubin: Die hochwertigsten Kessel

Traditionell kommen die besten japanischen Kannen und Kessel aus Gusseisen aus der Stadt Morioka (盛岡) in der Präfektur Iwate ganz im Norden der Hauptinsel Honshu. Diese werden auch in der südlicher gelegenen Stadt Mizusawa (水沢) auf höchstem Niveau gefertigt, jedoch ist hier eine wesentlich stärkere Konzentration auf sonstige gusseiserne Waren zu finden. Mizusawa wurde im Jahre 2006 mit einigen anderen Gemeinden zusammengeführt und die Stadt Ōshū (奥州市) neu gebildet. Morioka spezialisierte sich vorwiegend auf Gusseisen für Teeutensilien. Waren aus Gusseisen aus den Städten Morioka und Oshu (Mizusawa) rühmen sich des Namens Nanbu Tekki (Eisenwaren aus Nanbu, jap.: 南部鐵器); die Wasserkessel werden als Nanbu Tetsubin (南部鉄瓶) bezeichnet. Für den Teeaufguss kommen hingegen innen mit Emaille beschichtete Teekessel aus Gusseisen zum Einsatz, die den Namen Tetsubin Kyusu tragen.

Yamagata Tetsubin: Teezeremonie

Neben der Präfektur Iwate werden auch in der Stadt und Präfektur Yamagata (山形)  Tetsubins hergestellt, deren Design sich stark an den berühmten vormals auch in Kyoto gefertigten Kesseln (龍文堂) orientiert. Gusseiserne Waren aus Yamagata werden Yamagata Imono genannt (jap.: 山形鋳物), während die Kessel entsprechend Yamagata Tetsubin heissen. Sie sind beliebt für ihre Schlichtheit und werden von vielen Teemeistern dafür geschätzt. Die meisten Wasserkessel für die Teezeremonie stammen aus Yamagata. Sowohl Iwate als auch Yamagata sind der Region Tohoku (東北地方)  zugehörig und entwickelten sich früh zum Zentrum des Gusseisen-Handwerks Japans. Details zur Entwicklung finden sich im Beitrag Geschichte der Kessel aus Gusseisen in Japan.

Wichtigste Muster: Arare, Hada und Bildmotive

Tetsubins erhalten ihre besondere Ästhetik durch das in die Gussform mit großem künstlerischem Geschick von Hand gestanzte Muster. Das am meisten verbreitete Muster ist dabei das Hagelmuster – „Arare“, gefolgt von „Hada“, einem durch Sandkugeln erzeugten hautähnlichen Muster. Weniger häufig aber hoch angesehen ist die Verwendung von Bildmotiven, vor allem aus der Natur. Hochwertigen handgefertigte Teekannen und Wasserkessel aus Gusseisen sieht man die Lebendigkeit und Schönheit des durch den Künstler gefertigten Musters sofort an. Bei maschinell gefertigten Kesseln kommt dies hingegen nicht zum Tragen. Häufig verwaschen die Muster in unschöner Weise durch den wiederholten Gebrauch der Gussform. Weitere Details finden sich im Beitrag Muster der japanischen Teekannen aus Gusseisen.

Praktische und schöne Kannen aus Gusseisen

Die Form eines Tetsubins ist meist rund, bauchig, kugelig, mit einem größeren Volumen (typischerweise 1-2 l, bis zu 5l) – es existieren aber auch kleinere oder abgeflachte Modelle (etwa 0,5l-1l). Er besitzt einen großen Henkel, der ihn auch bei starker Hitze leicht halten lässt und einen speziell geformten Ausguss, der ein einfaches und praktisches Ausgiessen erlaubt. Die unbeschichteten Kessel aus Gusseisen können direkt auf offene Hitze gestellt werden, während sich die innen beschichteten Kannen zum Aufguss von Tee, aber nicht zum Wasserkochen eignen.  Alle handgefertigten gusseisernen Kessel sind bei richtiger Qualität und Pflege extrem lange haltbar, meist über 50 Jahre. Tetsubins werden in der Herstellung gerne mit charakteristischen Oberflächenmuster und -verzierungen verschönert. In der Teezeremonie werden Tetsubins dabei besonderer Verzierungen bzw. Muster verwendet, die sich für die verschiedenen Tee-Schulen unterscheiden. Die gusseisernen Kannen sind neben ihrer Bedeutung in der Teezeremonie vor allem beliebt für:

  1. die erhebliche Verbesserung des Geschmacks des Wassers beim Aufkochen sowie als Eisenlieferant für die Ernährung (unemaillierte Kessel: Tetsubin) und für
  2. die Zubereitung von Tee in den wunderschönen und praktischen Teekesseln aus innen beschichteten oder emailliertem Gusseisen (Tetsubin Kyusu).

Teekannen aus Gusseisen für Herd, Gas, offenes Feuer?

Innen unbeschichtete Teekannen und Wasserkessel können grundsätzlich direkt auf einer Herdplatte, offenem Feuer und auf Gasbrennern verwendet werden. Kannen, die jedoch beschichtet sind und aus unterschiedlichen Materialien bestehen, drohen hingegen Risse zu bekommen, weil sich die Materialien unter Hitzeeinwirkung unterschiedlich ausdehnen. Das Wasserkochen sollte also nur mit einem echten unbeschichteten Tetsubin durchgeführt werden und nicht mit einer emaillierten Teekanne aus Gusseisen (Tetsubin Kyusu). Als Ausnahme gilt das Kombi-Modell des Herstellers Iwachu.  

Für Induktions-Herd geeignet?

Sind dann die vorgenannten unbeschichteten Wasserkessel aus Gusseisen (Tetsubin) auch für einen Induktionsherd geeignet? Die Antwort ist grundsätzlich ja, sofern der Boden des Tetsubin ausreichend flach ist und er über eine bestimmte Mindestgröße verfügt (i.d.R. mind. 8cm). Manche Hersteller kennzeichnen deshalb ihre Kessel extra für die Nutzung auf einem Induktionsherd. Im Zweifel sollte man sich beim Händler dazu erkundigen und vor allem die Form des Bodens betrachten. Weitere Detals finden sich im Beitrag Wasserkessel aus Gusseisen für Induktion und Gas.

Anwendung, Reinigen, Pflege einer Teekanne aus Gusseisen 

Traditionell wird der ursprüngliche Sandeisen-Tetsubin über einem offenem Holzkohlefeuer erhitzt. In der Teezeremonie Chanoyu (茶の湯) oder Sadō, Chadō (茶道) geschieht dies auf dem speziellen Kohlegefäß Binkake (瓶掛). Für die Benutzung der modernen Gusseisen-Teekannen gelten aber andere Regeln. Es sollten einige wesentliche Faktoren beachtet werden, damit die Kessel unbeschädigt bleiben und lange halten. 

Innen beschichtete oder emaillierte Teekanne aus Gusseisen:

  • Nicht zum Wasserkochen geeignet.
  • Nie direkt auf einen Herd stellen.
  • Nie leer oder mit sehr wenig Teewasser auf einem brennenden Stövchen stehen lassen.
  • Wasser nur bis kurz vor die maximale Füllhöhe eingiessen.
  • Nach dem Gebrauch vollständig ausschütten.
  • Wasser nie längere Zeit in der Teekanne stehen lassen.
  • Bei offenem Deckel vollständig trocknen lassen.
  • Das Innere der Teekanne nur mit heissem Wasser reinigen, Patina nicht zerstören.
  • Aussenseite nur sehr vorsichtig mit weichem Tuch abreiben.
  • Niemals Spül- oder Reinigungsmittel verwenden.
  • Gusseisen kann beim Aufprall auf den Boden brechen.
  • Niemals in die Spülmaschine geben.
  • Niemals in die Mikrowelle stellen.
  • Rost nicht durch feste Gegenstände oder Reinigungsmittel beseitigen. Immer nur mit grünem Tee entfernen.

Sämtliche Tipps für die Anwendung, Reinigung, Pflege und zum Thema Rost wurden in den speziellen Beiträgen für die Anwendung von Teekannen aus Gusseisen und für die Anwendung von Wasserkessel aus Gusseisen zusammengefasst.



8 Responses to “Teekanne aus Gusseisen”

  1. Hallo Herr Dr. Schweikart,
    ich besitze seit Jahren einen unbeschichteten Tetsubin.
    Nur leider ist dieser, durch zugegeben schlechte Behandlung, stark verrostet.
    Was empfehlen Sie mir um diesen wieder in Betrieb nehmen zu können?
    Oder muss ich mich von diesem guten Stück trennen?

    Ihrer Antwort mit Spannung harrend, verbleibe ich
    mit besten Grüßen
    Siegfried

    • Dr. Jörg Schweikart:

      Hallo, von welcher Firma ist der Tetsubin? In Japan kann man üblicherweise die Teekessel einschicken und mit einem neuen Schutzfilm reparieren lassen. Normalerweise besitzen die Tetsubins einen solchen Schutzfilm. Man müsste also den Hersteller dazu befragen. viele Grüße Jörg Schweikart

  2. Hallo – gibt es induktionstaugliche Testsubins in geeigneter Qualität? Best. Max

    • Dr. Jörg Schweikart:

      Hallo, ja die gibt es. Ich bin zur Zeit am Ausspähen, welche Anbieter in Japan noch zu bezahlen sind. beste Grüße Jörg Schweikart

  3. Kennen Sie Einkaufsquellen für umbeschichtete Tetsubin-Teekannen?
    Vielen Dank für die unglaublich informative Seite, so präzise und erschöpfend habe ich das Thema Grüner Tee noch nirgendwo behandelt gefunden!

    • Dr. Jörg Schweikart:

      Hallo Mark, Danke für das Lob. Ich kenne leider noch keine Quellen hier, aber hoffentlich bald direkt in Japan. Das wird aber noch etwas dauern. Ich schreibe gerade viel zum Thema Wirkung und Krankheiten. viele Grüße Jörg Schweikart

  4. Guten Abend,

    habe soeben Ihre Seite entdeckt und freue mich über die selten interessanten Informationen. Heute noch keine Fragen. Über den Newsletter würde ich mich freuen.

    Beste Grüße!
    Bea

    • Dr. Jörg Schweikart:

      Hallo, vielen Dank, das freut mich. Habe Sie in den Newsletter eingetragen und Sie können sich jederzeit auch austragen (lassen). Jetzt muss ich nur noch Zeit finden einen guten Newsletter zu schreiben… viele Grüße Jörg Schweikart

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