Oxalsäure (Oxalat) im Tee

Teesorten und Oxalat 

Oxalsäure (Oxalat) im Tee

Tee besitzt je Sorte und Produkt eine sehr hohe Bandbreite an Oxalsäure, von nur 20mg bis >1.200mg Oxalat pro 100g. Es gilt dabei, viele Aspekte zu beachten.

Oxalsäure und Oxalate

Oxalsäure gehört zu den Carbonsäuren und bildet mit Natrium-, Kalium- und Ammoniumionen Salze aus. Diese Salze nennt man Oxalate. Sie kommen in fast allen Pflanzen in geringen Mengen und in wenigen Pflanzen mit sehr hohem Gehalt vor. Milch und Fleisch besitzen kaum Oxalate. Oxalate werden über die Nahrung entsprechend vor allem durch pflanzliche Kost aufgenommen. Besonders viel Oxalat besitzen: Amaranth, Portulak, Tee, Pfefferminz-Blätter, Gänsefuß, Spinat, Sternfrüchte, Kakao, Rhabarber, Weizenkleie und Nüsse. Oxalat bzw. die Oxalsäure ist einer der im Tee kritisch gesehenen Inhaltsstoffe. Eine umfangreiche Tabelle zum Oxalatgehalt je Teesorte findet sich weiter unten, eine ausführliche allgemeine Tabelle findet sich im Beitrag oxalsäurehaltige Lebensmittel.

Besondere Ratschläge zum Umgang mit Tee in Bezug auf Oxalsäure wurden im Artikel 10 Tipps zur Oxalsäure im Tee zusammengestellt.

Oxalate und die Gesundheit

Oxalate aus der Nahrung werden mit verschiedenen Risiken und Problemen für die Gesundheit in Verbindung gebracht. Vor allem geht es dabei um Risikogruppen, die an Störungen oder Erkrankungen in folgenden Bereichen leiden:

  • Menschen, die allgemein ein höheres Risiko zur Bildung von Nierensteinen aufweisen,
  • die eine erhöhte Resorption von Oxalat (Hyperresorption) besitzen und daher >10% von Oxalaten aus der Nahrung aufnehmen, anstelle von nur 2-5% im Durchschnitt,
  • die an einer erhöhten Oxalat-Ausscheidung über den Urin (Hyperoxalurie bzw. Oxalose) und anderen Folgeerkrankungen leiden,
  • denen größere Abschnitte des unteren Dünndarms (Ileum) operativ entnommen wurden.

Diesen Personen wird allgemein geraten, Lebensmittel mit sehr hohen Oxalat-Mengen, bzw. präziser, Nahrung mit einem hohen und damit unvorteilhaften Verhältnis aus Oxalat- und Calcium-Gehalt zu begrenzen, um die o.g. Probleme nicht zu verschärfen.

Das Oxalat-/Calcium-Verhältnis spielt dabei eine besonders wichtige Rolle, da Calcium das Oxalat bereits im Magen und Darm bindet. So kann es nicht mehr ins Blut resorbiert werden und steht dort nicht mehr für eine Übersättigung des Urins zur Verfügung. Allerdings kann das so umgewandelte Calcium auch nicht mehr für die Nährstoff-Versorgung dienen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass Oxalate die Resorption von Eisen, Calcium und Magnesium hemmen.

Gesunde Menschen, die Oxalate in Maßen über nahrhaftes Gemüse, Nüsse und Tee zu sich nehmen, sollten sich hierzu allerdings keine Sorgen machen. Insbesondere beim Tee ist zu berücksichtigen, dass er im Gegensatz zu vielen anderen oxalreichen Lebensmittel nicht in Mengen von >100g pro Portion gegessen, sondern nur in relativ kleinen Mengen und als Aufguss getrunken wird, bei dem nur die ins Wasser gelangenden Stoffe verzehrt werden. Als Ausnahme gilt der Verzehr von Teepulver, z.B. von Matcha, bei dem das ganze Teeblatt eingenommen wird.

Es ist sowohl für zu den Risikogruppen gehörenden Teeliebhaber, als auch für gesunde Menschen von Vorteil, die genauen Zusammenhänge von Oxalsäure, Calcium und den verschiedenen Teesorten zu kennen. Der zu häufige Verzehr von Lebensmittel mit hohem Oxalsäuregehalt bzw. schlechtem Oxalat-Calcium-Verhältnis ist der Gesundheit abträglich.

Nähere Ausführungen zu den o.g. Zusammenhängen und Ursachen finden sich im Beitrag oxalsäurehaltige Lebensmittel gesundheitsschädlich der Webseite Oxalsaeure.net.

Je nach Teesorte und Tee niedriger bis sehr hoher Oxalat-Gehalt, aber geringe Mengen pro Portion

Die Blätter (und Stängel) der Camellia Sinensis, also die Teepflanze aus der die sechs großen Teesorten grüner, weißer, gelber, Oolong-, Pu Erh- und schwarzer Tee gewonnen werden, können über einen niedrigen bis sehr hohen Gehalt an Oxalsäure verfügen. Dies ist von verschiedensten Faktoren abhängig, insbesondere von der Teesorte bzw. den verwendeten Pflanzenteilen, der Erntezeit, dem Anbau und der Herkunft.

An vielen Stellen im Internet oder auch in Büchern wird lediglich zitiert, dass Tee etwa 1.500mg oder bis zu 2.000mg Oxalat pro 100g Blätter aufweisen kann und dass schwarzer Tee wegen der Fermentation viel mehr Oxalat als grüner Tee besäße. Aus diesem Grund wird häufig pauschal die Warnung vor Tee und insbesondere vor schwarzem Tee für Menschen mit erhöhtem Nierensteinrisiko, Nierenerkrankungen oder einer Oxalat-Resorptionsstörung ausgesprochen.

Verglichen mit Spinat oder Mangold, die bis zu 1.500mg bzw. 920 mg Oxalat pro 100g aufbringen, sind die vorgenannten Zahlen auch tatsächlich eine ernstzunehmende Größe. Dabei ist aber zu beachten, dass die Bandbreite beim Tee enorm groß ist, und je nach Teesorte und individuellem Tee sehr schwankt. Der Gehalt an wasserlöslichem Oxalat, also das Oxalat das schließlich auch in das Teewasser findet, schwankt je nach individuellem Tee und Teesorte enorm zwischen nur etwa 20mg/100g und 2.000mg/100g Tee (vgl. 2, S. 289). So beinhalten gemäß einer Untersuchung von Morita und Tuji (siehe unten) japanische Grüntees aus Stängeln (Karigane) nur etwa 90 mg Oxalat pro 100g, ein Japan Bancha etwa 280mg, ein Japan Sencha 550mg, chinesische unbeschattete grüne Tees zwischen 50mg und 800 mg und ein vollbeschattetes Matcha etwa 1.700mg. Details hierzu finden sich im Beitrag Oxalsäure im japanischen Grüntee und im chinesischen grünen Tee.

Besonders wichtig aber ist, dass ein Teebeutel in der Regel nur 2g Tee besitzt und Portionen aus losem Tee mit etwa 3-4g auf etwa 0,3l zubereitet werden, während man oxalatreiches Gemüse oft in Portionen >100g verspeist. Selbst wenn man 3-4 solche Portionen (0,9-1,2l) täglich trinkt, entspricht das „nur“ 9-16g Tee. Legt man dabei 5,5mg/g Oxalat als Annahme für einen guten grünen Tee zugrunde, ergeben sich daraus etwa 50-90 mg Oxalat am Tag. Dieser Gehalt ist signifikant, aber weit entfernt von z.B. etwa 900-970mg Oxalat in 100g Spinat. Entsprechend relativiert sich die Oxalat-Menge beim Tee im Vergleich zu anderen oxalsäurereichen Nahrungsmitteln trotz des hohen Gehalts.

Darüber hinaus gibt es noch weitere bedeutende Aspekte, die im folgenden ausführlich betrachtet werden. Zuvor ist es aber wichtig, sich einen Überblick über die Oxalatmengen der einzelnen Teesorten zu verschaffen.

Tabelle Oxalsäure-Gehalt je nach Teesorte in mg/g

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick der verfügbaren Studien zum wasserlöslichen Oxalsäuregehalt der verschiedenen Teesorten. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass in den Studien eine extreme Zubereitungsart von 90°C heißem Wasser mit einer Ziehzeit von 5 Minuten gewählt wurden. Dies fördert einen deutlich höheren Gehalt an wasserlöslichem Oxalat ins Teewasser, als bei einer üblichen Zubereitung für gehobene grüne Tees, mit eher 50-60°C und 2 Minuten. Die Werte aus der Tabelle dürften also bei einer Zubereitung zu Hause signifikant nach unten zu korrigieren sein.

Loser schwarzer Tee und Teebeutel

4,9

2,2

6,9

27 schwarze Tees auf dem neuseeländischen Markt

Charrier et al. 2002

davon loser schwarzer Tee

5,1

2,2

6,9

9 lose Marken-Tees

davon Teebeutel schwarzer Tee

4,7

2,4

6,7

18 Marken-Teebeutel

Teebeutel schwarzer Tee

4,8

3,7

6,3

10 verschiedene Teebeutel auf dem Markt in Iran

Yagin et al. 2013

Teebeutel grüner Tee

0,7

0,2

1,2

4 grüne Marken-Teebeutel

Charrier et al. 2002

Teebeutel grüner Tee

1,3

0,7

1,8

5 Teebeutel auf dem Markt in Iran

Yagin et al. 2013

Chinesischer grüner Tee (unbeschattet)

3,0

0,5

8,0

52 chinesische grüne Tees verschiedenster Qualität

Hönow et al. 2010

Tencha / Matcha

12,1

3 Proben der Aichi Tea Competition

Morita und Tuji 2002

Gyokuro

11,4

7 Proben der Shizuoka Tea Competition

Bancha-Blätter (Verzehr ganzes Blatt)

8,5

Wert für ältere Blätter inkl. nicht wasserlösliches Oxalat

Sencha (tiefbedampft)

5,9

14 Proben von Yabukita Teepflanzen der Shizuoka-Tee-Versuchsstation

Sencha (normalbedampft)

5,5

13 Proben von Yabukita Teepflanzen der Shizuoka-Tee-Versuchsstation

Bancha

2,8

Wert für ältere Blätter übernommen

Karigane

0,9

Wert für Zweige

Johannisbeerentee (Teebeutel)

3,0

1 Teebeutel-Probe

Charrier et al. 2002

Kamillentee (Teebeutel)

0,6

0,43

0,74

2 Teebeutel-Proben

Pfefferminztee (Teebeutel)

0,2

1 Teebeutel-Probe

Zitronentee (Teebeutel)

0,2

1 Teebeutel-Probe

Ginsengtee (Teebeutel)

0,0

1 Teebeutel-Probe

Quelle: Charrier et al. 20022, Yagin et al. 20137, Hönow et al. 20104, Morita und Tuji 20026.

Bildung von Oxalat bei der Fermentation von Tee

Die verschiedenen Teesorten bestimmen sich durch ihren unterschiedlichen Grad an Fermentierung, bzw. Oxidation der Teeblätter. Grüner Tee verbleibt unfermentiert und weißer Tee erreicht bei hohen Qualitäten etwa nur 2-3% Fermentation. Schwarzer Tee wird durch eine vollständige Fermentierung der Teeblätter hergestellt. Dazwischen liegen der gelbe Tee, der Oolong- und der Pu Erh-Tee mit ansteigendem Oxidationsgrad.

Durch die Oxidation entstehen im Tee Oxalate, so dass mit einem höheren Fermentationsgrad einer Teesorte auch ein höherer Oxalsäuregehalt besteht. Oxalat ist einer der vielen Inhaltsstoffe im Tee, die seinen Geschmack mit prägen.

Allerdings zeigen die o.g. Untersuchungen, dass die Fermentation nur einer von mehreren Faktoren darstellt, der den Gehalt des Oxalats bestimmt. Deshalb gibt es auch z.B. zahlreiche schwarze Tees, die nur über moderate Mengen an Oxalsäure verfügen und zugleich unfermentierte grüne Teesorten mit ausgeprägt höheren Quantitäten.

Auch Kräuter- und Früchtetees können signifikant Oxalsäure besitzen

Da Oxalate fast in allen Pflanzen vorkommen, besitzen auch Kräutertees und Früchtetees teilweise signifikante Mengen. Wasserlösliches Oxalat findet sich z.B. in Blüten, Beeren, Blättern und Zitrusschalen. Besonders die Johannesbeere zeigt einen beachtlichen Gehalt. Siehe dazu Oxalsäure in Kräuter- und Früchtetees.

Oxalsäure und Qualität von Tee

Die Untersuchungen zeigen, dass sich mit Abstand am meisten wasserlösliches Oxalat in vollbeschatteten jungen Blättern ansammelt, gefolgt von unbeschatteten jungen Blättern. In dünnen Stängeln befindet sich am wenigsten, während in den dickeren Stängel und Zweigen bis hin zu den Wurzeln der Gehalt wieder etwas ansteigt. Genaue Aussagen zum Oxalatgehalt und der Erntezeit konnten nicht gefunden werden. Aber es ist plausibel, dass es auch hier eine analogen Zusammenhang wie bei anderen Pflanzen gibt. So wurde beim Spinat in der trockeneren Sommerzeit ein höherer Oxalsäure-Gehalt, als im Frühjahr oder Herbst gefunden.

Als Tees mit der höchsten Qualität werden im allgemeinen diejenigen erachtet, die aus den Knospen und jüngsten Blättern zu Beginn der Saison geerntet werden. Dies spricht für einen hohen Oxalsäuregehalt in Top-Tees. Ggf. erklärt es sich so, dass die untersuchten Teebeutel, die im allgemeinen aus Minderqualitäten bestehen, so niedrige Oxalatwerte besassen.

Manche Teesorten werden aber speziell aus älteren Blättern (beim Grüntee: Bancha, Hojicha) und aus feinen Stängeln (Karigane) oder groben Stängeln (Kukicha) hergestellt. Ein sehr guter Bancha wird aus weniger alten Blättern und ein sehr guter Stängeltee aus feinsten Stängeln hergestellt. Entsprechend niedriger liegt bei diesen Sorten der Oxalsäuregehalt im Vergleich zu weniger guten Qualitäten. Dies sind jedoch nur Schlußfolgerungen aus den vorliegenden Daten und es bedarf noch weiterer Analyse und konkrete Studiendaten.

Zudem gilt beim Tee wie immer: Aussagen über Sorten lassen nur tendenzielle Aussagen zu. Die Qualität eines einzelnen Tees bestimmt sehr stark seine Zusammensetzung, so dass es schnell zu deutlichen Abweichungen kommen kann.

Wasserlösliche Oxalsäure im Teeaufguss

Nicht alle Oxalate im Tee sind wasserlöslich und können ins Teewasser gelangen. Das Kalium- und Natrium-Oxalat sind wasserlöslich im Gegensatz zum Calcium- und Magnesium-Oxalat. Bei allen Studien sollten also nur die wasserlöslichen Werte von Tees mit den Gesamtwerten anderer Nahrungsmittel betrachtet werden. Anders ist dies natürlich bei Tees, bei denen man die ganzen Blätter verzehrt, also z.B. bei den Grünteepulvern, wie Matcha, Benifuuki- und Sencha-Pulver, oder beim Verzehr von Bancha-Blättern.

Resorption von Oxalat im Tee

In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass wasserlösliches Oxalat besser resorbiert wird als nicht wasserlösliches. Aus diesem Grund wurde auch oft vermutet, dass Quellen von hohem Gehalt an wasserlöslichen Oxalsäuren – insbesondere schwarzer Tee – ein besonderer Risikofaktor für die Bildung von Calcium-Oxalat-Nierensteinen durch einen Anstieg der Oxalate-Ausscheidung über den Urin (vgl. 1, S. 274) darstellt.

Andere Studien gehen aber davon aus, dass die Resorptionsrate bzw. Bioverfügbarkeit des Oxalats im Tee durch die besonderen Inhaltsstoffe, insbesondere die Flavonoide (inkl. Catechine), sogar deutlich gesenkt wird (siehe unten). Zu diesem Thema sind also noch weitere Untersuchungen erforderlich. Zudem wurde Tee als wirksames Mittel zur Vorbeugung von Nierensteinen erachtet (siehe unten).

Zu beachten ist dabei auch, dass der Anteil an Flavonoiden bzw. Catechinen je nach Teesorte und individuellem Tee sehr unterschiedlich ist. Beim schwarzen Tee besitzen wegen der Fermentation nur sehr hohe Qualitäten noch einen signifikanten Gehalt. Beim grünen und weißen Tee sind die Catechine wegen der fehlenden bzw. geringen Fermentation nicht reduziert, aber weisen je nach Qualität und Sorte sehr große Schwankungen auf.

Bindung von Oxalat durch Calcium: Oxalat-Calcium-Verhältnis

Nur freies, wasserlösliches Oxalat kann durch den Darm ins Blut resorbiert werden und schließlich den Urin ggf. übersättigen. Der nicht wasserlösliche Teil wird über den Darm ausgeschieden. Die freien Oxalate in der Nahrung binden sich bereits im Magen und im Darm an Calcium, das auch mit den Lebensmitteln aufgenommen wurde. Dadurch entsteht Calciumoxalat, das nicht mehr resorbierbar ist. Tee besitzt in den Blättern signifikante Mengen an Calcium, jedoch deutlich weniger als wasserlösliches Oxalat.

 

Kalium

Calcium

Eisen

Natrium

Gyokuro

 2.800  

 390  

 10  

 11  

Matcha

 2.700  

 420  

 17  

 6  

Sencha

 2.200  

 440  

 20  

 3  

Kamairicha

 2.200  

 490  

 24  

 4  

Bancha

 1.900  

 740  

 38  

 4  

Hojicha

 1.900  

 490  

 13  

 6  

Schwarzer Tee

 2.000  

 470  

 17  

 3  

Oolong-Tee

 1.800  

 310  

 32  

 7  

Quelle: Chu und Juneja, S. 14

Vergleicht man zudem den Calcium-Anteil, der ins Teewasser gelöst wird, zeigt sich eine nur sehr eingeschränkte Bindungskapazität von Oxalat.

 

Kalium

Calcium

Eisen

Natrium

Gyokuro

 180  

 2  

 0,1  

 1  

Matcha

 81  

 13  

 0,5  

 0,2  

Sencha

 18  

 2  

 0,1  

 2  

Kamairicha

 22  

 3  

 Spuren

 1  

Bancha

 21  

 3  

 0,1  

 1  

Hojicha

 13  

 2  

 Spuren

 1  

Oolong-Tee

 13  

 2  

 Spuren

 1  

Schwarzer Tee

 16  

 2  

 –    

 2  

Quelle: Chu und Juneja, S. 14

Da man etwa 4,4mg Calcium benötigt, um ein Milligramm wasserlösliches Oxalat zu binden, reicht das im Teeaufguss enthaltene Calcium nur für einen zu vernachlässigenden Teil des Oxalats aus (analog zur Berechnung von Charrier et al., S. 2992).

Zum Tee calciumhaltige Snacks verzehren

Anders verhält es sich hingegen, wenn man vor dem oder zum Tee leichte Snacks zu sich nimmt, die calciumreich und leicht verdaulich ist. Allgemein empfiehlt es sich zwar, zum Essen einen allgemeinen Abstand von 20-30 Minuten mit dem Tee einzuhalten, um die Nährstoffaufnahme und die Verdauungskraft nicht zu stören. Doch mit leichten calciumhaltigen Snacks gelingt es, den Großteil der Oxalsäure zu binden. Ausserdem wurde in Studien beobachtet, dass das Oxalat auf nüchternen Magen stärker resorbiert wurde. Vielleicht rührt die japanische Tradition, vor dem Genuss des grünen Tees einen solchen Snack zu essen, nicht nur zur Verbesserung der Geschmackswahrnehmung, sondern auch zur Bindung von Oxalat? So besitzen z.B. japanische Tee-Snacks aus schwarzen Sojabohnen, den sogenannten Kuromame, besonders viel Calcium und ein sehr gutes Oxalat-Calcium-Verhältnis. Sojabohnen allgemein besitzen im Frischgewicht etwa 200mg Calcium pro 100g und im Mittel etwa 100mg Oxalat. Das Verhältnis der getrockneten schwarzen Sojabohnen ist dabei noch besser. Die Kuromame werden gerne mit besonderem Zucker oder Matcha leicht überzogen und verbessern so auch die Geschmackswahrnehmung für den Tee.

Zubereitung beeinflusst Oxalsäuregehalt im Teewasser

Die Art der Zubereitung des Tees spielt eine nicht unerhebliche Rolle dabei, wie viel des wasserlöslichen Oxalats der Teeblätter schließlich in das Teewasser gelangt. Eine Zubereitung mit sehr heißem Wasser und Ziehzeiten von 5 Minuten oder mehr, wie dies in vielen Studien verwendet wird, dürfte wesentlich höhere Oxalsäure-Werte in den Teeaufguss befördern, als dies bei gemäßigteren Zubereitungen der Fall ist, wie es sich bei gehobenem japanischen Grüntee empfiehlt (50-60°C, 2 Minuten). Die Untersuchung von Yagin et al.7 des Oxalsäuregehalts bei den im Iran üblichen extrem langen Ziehzeiten von schwarzem Tee (zwischen 5 und 60 Minuten!) zeigten bei 23 verschiedenen Proben losen schwarzen Tees, dass sich der Oxalsäuregehalt im Durchschnitt selbst nach 5 Minuten Ziehzeit noch von 4,3 mg/g kontinuierlich auf 6,3 mg/g bei 60 Minuten erhöht, also eine Steigerung um fast 50% ergibt (vgl. 7, S. 219). Bei kürzeren Ziehzeiten bis 5 Minuten dürfte die Kurve entsprechend schnell ansteigen. Die Autoren untersuchten dazu zwei Proben und fanden, dass sich der Oxalat-Gehalt von 1 auf 5 Minuten Ziehzeit um rd. 93% bzw. um rd. 11% erhöhte. Auch McKay et al.8 fanden in ihrer Untersuchung einen signifikanten Anstieg zwischen 1 und 5 Minuten Ziehzeit. Auch aus dieser Überlegung heraus, empfehlen wir für gehobene japanischen grünen Tees eine Ziehzeit von nicht länger als zwei Minuten.

Konsum von Tee reduziert das Risiko von Nierensteinen

Patienten mit Nierensteinen wird dazu geraten, ihre Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen und für eine ausreichende Wasserzufuhr zu sorgen. Verschiedene Studien sprechen dafür, dass das Trinken von etwa zwei bis drei Portionen Tee (jeweils 0,2-0,3l) täglich, das Risiko zur Bildung von Nierensteinen trotz der darin enthaltenen Oxalsäure reduziert. Curhan et al.11 fanden in zwei umfassenden Untersuchungen eine Senkung des Risikos für Frauen um 8% und für Männer um 14%12.

Die im Tee enthaltenen Flavonoide (besonders die im grünen und weißen Tee enthaltenen Catechine (vor allem EGCG)) und deren positive Wirkung als Antioxidantien sowie der diuretische und damit das Harnvolumen vergrößernde Effekt von Tee reduzieren das Risiko der Steinbildung bei stark Oxalat-haltigem Urin (vgl. 2, S. 300 und 14). Besonders dem grünen Tee werden neben diesem Effekt noch sehr zahlreiche andere positive Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben.

Resumee zur Oxalsäure im Tee

Tee verfügt je nach Sorten und Produkt über eine sehr große Bandbreite an Oxalsäure. Sie reicht in den gefundenen Untersuchungen von nur 20mg Oxalat/100g Tee bis auf 1.200mg/g hinauf und soll sogar bis 2.000mg reichen (alles bei einem Aufguss mit 90°C und 5 Minuten Ziehzeit!). Bei einem üppigen Verzehr von einem oxalsäurereichen Gyokuro (4g Tee auf 0,3l), einem Sencha (3g) und einem Bancha (3g) pro Tag addieren sich etwa 45,6+16,5+8,5 = rd. 71mg wasserlösliches Oxalat. Unter Berücksichtigung einer deutlich schonenderen Zubereitung und des Oxalat-bindenden Calciums dürfte der Wert jedoch sehr viel niedriger liegen.

Verglichen mit anderen Lebensmittel mit sehr hohen Oxalat-Gehalt, wie Spinat, Mangold oder Rhabarber, kann grüner Tee in üblichen Portionsgrößen nur als moderater Lieferant von Oxalsäure betrachtet werden. Verzehrt man zudem noch calciumhaltige Snacks zum Tee, lässt sich die Belastung noch weiter reduzieren.

Angesichts dieser Werte ist die Schlussfolgerung von Liebman/Murphy, Yagin et al. (vgl. 7, S. 218) und Charrrier et al. (vgl. 2, S. 301) nachvollziehbar, dass der Genuss von Tee bezogen auf den Gehalt an Oxalsäure für gesunde Personen als eher risikofrei betrachtet werden kann. „It would be very difficult to consume an excessive amount of soluble oxalate from the regular consumption of black tea without milk.“ (2, S. 301).

Menschen mit erhöhtem Risiko zur Calcium-Nierensteinbildung, oder erhöhter Oxalat-Resorption sollten die o.g. Oxalat-Werte zum Gehalt der verschiedenen Teesorten bei ihrem täglichen Konsum berücksichtigen. Angesichts der positiven gesundheitlichen Effekte und der vorbeugenden Wirkung gegen Calcium-Nierensteine empfehlen Charrier et al. aber sogar ausdrücklich zum täglichen Verzehr von grünem Tee, Oolong-Tee, Kräutertee und schwarzem Tee mit Milch (vgl. 2, S. 301).

Quellen:

  1. 1 Liebman, Michael; Murphy, Shawnna, Low oxalate bioavailability from black tea, Nutrition Research , Volume 27 (5), Elsevier – May 1, 2007, S. 273-278.
  2. 2 Charrier, Marina JS; Savage, Geoffrey P; Vanhanen, Leo; Oxalate content and calcium binding capacity of tea and herbal teas, Asia Pac J Clin Nutr, 11(4), 2002, S. 298-301.
  3. 3 Burgerstein, Lothar, Handbuch Nährstoffe, 12. Aufl., S. 570f.
  4. 4 Hönow, Ruth; Gu, Ke-Liang Reinhold; Hesse, Albrecht; Siener, Roswitha, Oxalate content of green tea of different origin, quality, preparation and time of harvest, Urological Research, Volume 38 (5), Springer Journals, Oct 1, 2010, S. 377-381.
  5. 5 Weiß, Claudia; Oxalsäure, Ernährungs-Umschau, 11/2009, S. 636-639.
  6. 6 Morita, Akio; Tuji, Masaki; Nitrate and oxalate contents of tea plants (Camellia sinensis L.) with special reference to types of green tea and effect of shading, Soil Science and Plant Nutrition, Volume 48, Issue 4, 2002, S. 547-553.
  7. 7 Yagin, Neda Lotfi, Mahdavi, Reza, Nikniaz, Zeinab, Oxalate Content of Different Drinkable Dilutions of Tea Infusions after Different Brewing Times, Health Promotion Perspectives, Vol. 2, No. 2, 2012, S. 218-222.
  8. 8 McKay, Donald W., Seviour, J.Paul et al., Herbal Tea: An Alternative to Regular Tea for those who Form Calcium Oxalate Stones, Journal of the American Dietetic Association, Volume 95, Issue 3, März 1995, S. 360-361.
  9. 9 Yagin, Neda Lotfi, Mahdavi, Reza, Nikniaz, Zeinab, For those who form calcium oxalate stones, which one is healthier? Green or regular black tea bags, Nutrition & Food Science, Vol. 43 No. 4, 2013, S. 298-303.
  10. 10 Heseker, Helmut, Heseker, Beate, Die Nährwerttabelle, 2. Auflage, Umschau Verlag.
  11. 11 Curhan GC., Willett WC., Speizer FE., Stampfer MJ. Beverage use and risk for kidney stones in women. Ann Int Med, 1998, 128, S. 534–540.
  12. 12 Curhan GC, Willett WC, Rimm EB, Spiegelman D, Stampfer MJ. Prospective study of beverage use and the risk of kidney stones. Am J Epidemiol, 1996, 143, S. 240–247.
  13. 13 Noonan, SC., Savage, GP, Oxalate content of foods and its effect on humans. Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition, 8(1), 1999, S. 64-74.
  14. 14 Jeong, Byong Chang, Kim, Bong Sub, Kim, Jung In, Kim, Hyeon Hoe. Effects of Green Tea on Urinary Stone Formation: An in Vivo and in Vitro Study Journal of Endourology. Mai 2006, 20(5), S. 356-361.


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