Japanische Teekanne: Drehen auf der Töpferscheibe

Drehen aus Ton 

Japanische Teekanne: Drehen auf der Töpferscheibe

Japanische handgefertigte Teekannen aus gedrehtem Ton (Töpferscheibe) sind von deutlich höherer Qualität und feinerer Wandstärke als gegossene Kyusus.

Drehen versus Giessen von Teekannen

Die höchsten Qualitäten von japanischen Teekannen (Kyusu) werden nicht in Formen gegossen (Schlickerguss), sondern von Hand auf einer Töpferscheibe unter Verwendung von bestem natürlichen Ton aus berühmten Regionen (Tokoname, Banko etc.) gedreht (englisch: „Throwing“). Diese intensive Handarbeit erlaubt es, den Ton wesentlich feiner zu töpfern. Solche Teekannen sind dünnwandiger und deutlich leichter als gegossene Kyusus. Auch die Oberfläche des Tons wird wesentlich feiner. Zudem kann der Künstler verschiedene Tonmaterialien gezielt mischen, Muster erzeugen oder an unterschiedliche Stellen aufbringen. Insgesamt sind solche gedrehten Kyusus nicht nur deutlich eleganter, dünnwandiger, feiner und hübscher, sondern sie erzielen auch einen besseren Teegeschmack und eignen sich besonders für die gehobenen grünen Tees. 

Natürlicher Ton 

Finden für die Produktion billiger Teekannen – vor allem aus China – vorrangig synthetische Tonmischungen und Farben mit zweifelhafter gesundheitlicher Wirkung Anwendung, werden für handgefertigte Kyusus aus berühmten japanischen Regionen wie Tokoname und Banko vornehmlich ein natürlicher Ton verwendet. Das Gleiche gilt für handgefertigte hochwertige Teekannen aus Yixing in China. Die Qualität, also Herkunft, Aufbereitung und Reinheit, des natürlichen Tons sind von entscheidender Bedeutung für seinen geschmacks- und harmonieverbessernden Effekt auf den Tee. Allerdings wird für die allermeisten Teekannen, selbst aus Top-Regionen, zusätzlich Eisen beigemischt, um die Produktion zu vereinfachen. Nur extrem wenige Meister bzw. Künstler verwenden noch selbst hergestellten, vollständig natürlichen Ton. Dieser gilt als allerhöchste Qualität, ist wesentlich aufwendiger in der Herstellung und erzielt höchste Preise.

Herstellung getöpferter Kyusus

Die Fertigung handgedrehter Kyusus erfolgt in mehreren Schritten und ist sehr aufwendig und zeitintensiv. Im Ergebnis ist jede Teekanne durch die Handarbeit ein Unikat und kann sich nicht nur in der Struktur des Tons, sondern auch leicht in der Größe voneinander unterscheiden. Diese Einzigartigkeit macht neben der Feinheit und ihrer positiven Eigenschaften für die Zubereitung von Tee die große Attraktivität für den Teegeniesser aus.

Original natürlicher Ton aus Tokoname

Zunächst gilt es einen Vorrat an geeignetem natürlichem Ton vorzubereiten. In der folgenden Abbildung findet sich ein Original roter Ton aus der berühmten Region Tokoname. Dieser muss ausreichend geknetet werden.

Roter natürlicher Tonschlicker aus Tokoname

Roter natürlicher Tonschlicker aus Tokoname

Drehen des Tonkörpers der Teekanne

Im nächsten Schritt wird der Tonkörper der Kyusu auf der Töpferscheibe gedreht. Hier kommt es auf eine extreme Erfahrung und Fingerspitzengefühl des Keramikmeisters an.

Drehen des Körpers der Teekanne

Drehen des Körpers der Teekanne

Drehen von Seitengriff, Tülle und Deckel

Anschließend töpfert der Keramikmeister filigran den typischen Seitengriff der Teekanne, die Tülle (Ausguss) sowie den Deckel, die später angebracht werden.

Drehen des Seitengriffs

Drehen des Seitengriffs

Drehen der Tülle

Drehen der Tülle

Drehen des Deckels

Drehen des Deckels

Trimmen des Bodens der Teekanne

Nun wird der Boden der Teekanne ausgeformt. Jeder Meister verwendet hier leicht andere Formen.

Trimmen des Bodens der Kyusu

Trimmen des Bodens der Kyusu

Ausstechen und Anfertigen des Teesiebs

Das Keramiksieb wird typischerweise in zwei Varianten hergestellt. Die einfachere und schnellere Variante ist das Ausstechen des Sieb aus dem Körper. Aufwendiger und als höherwertig geltend, ist das Ausstechen des Siebs aus einer Kugelform. Besonders hochwertige Kyusus erkennt man an der kugeligen Form des Siebs nach innen.

Stechen des Ausgusses und des Teesiebs

Stechen des Ausgusses und des Teesiebs

Anfertigen eines hochwertigen Keramiksiebs

Anfertigen eines hochwertigen Keramiksiebs

Besonders hochwertige Tokoname Kyusu mit Kugel-Keramiksieb

Tülle und Seitengriff bis zur Politur

In Folge bringt der Keramikmeister die Tülle und den Seitengriff an. An den Nähten werden oft die Abdrücke der Werkzeuge beim Anpressen an der fertigen Teekanne sichtbar gelassen, als schönes Zeichen aufwendiger Handarbeit. Schließlich wird noch der Deckel eingepasst und die Oberfläche poliert.

Tülle und Griff werden angebracht

Tülle und Griff werden angebracht

Trocknen der Teekanne

Jetzt ist die Teekanne zum großen Teil bereits fertig gestellt. Der Ton muss nun trocknen, bevor eine weitere Verarbeitung stattfinden kann.

Trocknen des Tons

Trocknen des Tons

Dekoration des Tons

Bevor die Teekanne gebrannt wird, verzieren manche Keramikmeister ihre Stücke mit Hilfe der sogenannten Mogake-Technik. Dabei werden lange, dünne Stücke von Seealgen auf die Oberfläche gebracht. Während des Brennens reagiert das in den Seealgen enthaltene Salz und die anderen Inhaltsstoffe mit dem Ton und hinterlässt markante dünne Streifen von rotbrauner Farbe.

Dekoration der Kyusu mit der Mogake-Technik

Dekoration der Kyusu mit der Mogake-Technik

Brennen des Tons

Das Brennen der Teekanne ist neben der Reinigung und der Qualitätsprüfung der letzte Schritt in der Fertigung. Zugleich ist es auch einer der wichtigsten Schritte. Beim Brennen werden unterschiedliche Techniken eingesetzt, je nach dem welches Ziel der Keramikmeister verfolgt. Grundsätzlich wird in die Reduktionstechnik und die Oxidationstechnik unterschieden. Durch sie wird gezielt die mineralische Zusammensetzung des Tons an der Oberfläche der fertigen Kyusu bestimmt. Durch diese Techniken wird auch die Farbe des Tons an der Oberfläche geändert. So kann z.B. aus dem roten Tokoname-Ton eine schwarze Teekanne mit spezifischen Eigenschaften gefertigt werden.

Fertige Kyusu

Fertige Kyusu



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