Anbaugebiete grüner Tee in Japan

Anbaugebiete & Teeregionen 

Anbaugebiete grüner Tee in Japan

Die besten Anbaugebiete von grünem Tee in Japan finden sich in den Präfekturen Shizuoka, Kyoto (Uji), Kagoshima, Miyazaki, Fukuoka, Mie und Kumamoto .

Teeanbau in Japan

Der Anbau von grünem Tee blickt in Japan auf eine lange und traditionsreiche Geschichte seit etwa dem Jahre 800 nach Christus. Der Überlieferung zufolge beschäftigte man sich zuerst auf der Insel Kyūshū (Süden) und dann in der Region Uji (Kyoto) mit dem Anbau der Teepflanze, die durch Mönche den Weg aus China nach Japan fand. Lange Zeit nur dem Adel und dann der höheren Gesellschaftsschicht vorbehalten, erreichte der Grünteekonsum und der Anbau von grünem Tee erst große Teile Japans mit der Meiji-Restauration Ende des 19. Jahrhunderts. Wie in keinem anderen Land auf der Welt, entstand im modernen Japan schließlich die am höchsten entwickelte und aufs Äußerste verfeinerte Industrie zum Anbau von einigen wenigen grünen Teesorten. Japan ist der zweitgrößte Grünteeproduzent der Welt nach China.

Die Produktion von Grüntee in Japan nach Regionen

Die Qualität und das Wachstum von Grüntee werden stark durch das Klima und die Beschaffenheit und Fruchtbarkeit der Böden der jeweiligen Region bestimmt. Die Teepflanze Camellia Sinensis ist eine subtropische Pflanze, nicht resistent gegen Kälte, bedarf sehr viel Regen und Sonne, ist empfindlich gegen Staunässe und liebt Regionen in denen ein deutlicher Unterschied zwischen Tages- und Nachttemperatur herrscht. Aus diesem Grund gedeiht fast die gesamte Menge an Grüntee in etwa 20 Regionen in der südlichen Hälfte Japans. Die beste gesundheitliche Qualität wird dabei in Höhenregionen mit Reizklima erzielt, in denen die Teepflanze langsamer wächst, aber reichhaltigere Inhaltsstoffe ausbildet, so wie das bei vielen anderen Heilpflanzen ebenfalls der Fall ist.

Die nachfolgende Infografik zeigt einen Vergleich der Grüntee-Produktion innerhalb der einzelnen Regionen in Japan aus dem Jahr 2010. Von etwa 83 Tausend Tonnen der Jahresproduktion 2010 stammen etwa 40% aus der Hauptanbauregion Shizuoka, westlich von Tokyo. Das zweite Zentrum ist die große Insel Kyūshū, die im Südwesten Japans liegt und über ein relativ mildes Klima verfügt. Die dortigen bekannten Teeregionen Kagoshima, Miyazaki, Yame / Fukuoka etc. vereinen etwa 30% der Produktion auf sich, davon alleine 27% aus Kagoshima.

Grünertee Produktion Japan

Quelle: sugimotousa.com

Karte der Teeanbau-Regionen in Japan

Die nachfolgende Karte zeigt im Überblick die wesentlichen Regionen zum Anbau von Grüntee. Die bekanntesten Gebiete wurden dunkelgrün eingefärbt.

  Japan Anbaugebiete

Shizuoka – des bedeutendste Gebiet

Allen Grüntee-Kennern sollte Shizuoka ein Begriff sein, denn diese Präfektur – fast im Zentrum Japans – ist als eine der stolzesten Teeregionen und größter Produzent in Japan bekannt. Die Präfektur liegt an der Südostküste der Hauptinsel Honshu und erstreckt sich fast über etwa 160 km von Westen nach Osten. Aus ihr kommt nahezu 40% der gesamten grünen Tee Produktion in Japan. Diese Region ist sehr hügelig / bergig mit einem ausgesprochenen Reizklima, verfügt über ein recht mildes Klima, besitzt eine für den Grünteeanbau günstige Niederschlagsmenge, ein sehr gutes Wasser und ist nahe an wichtige Seehäfen gelegen. In Shizuoka setzt der Frühling relativ früh ein und im Winter ist es relativ mild. Shizuoka ist führend in der Produktion von Sencha und Sencha Fukamushi, produziert aber auch viele andere Grünteesorten in hoher Qualität. Von hier stammt auch sehr guter Shincha und nach Uji, Yame und Mie auch solider Gyokuro. Ein besonderes Wahrzeichen ist der Vulkanberg Mount Fuji „Fujisan“ (3776m), an dessen Fuße hochwertiger Grüntee angebaut wird.

Kyūshū mit subtropischem Klima

Die gebirgige und vulkanaktive Insel Kyūshū (auf deutsch 9 Provinzen) ist die drittgrößte Insel im Südwesten Japans und besitzt ein subtropisches Klima. Das flachere Gebiet Kagoshima vereint mit etwa 27% der Produktionsmenge Japans den Hauptteil der etwa 30% Produktionsanteil der gesamten Insel Kyūshū auf sich. Kyūshū genoss lange Zeit beim Sencha einen etwas geringeren Ruf als die Region Shizuoka oder Uji, hat aber gerade in den letzten Jahren seine Qualität deutlich angehoben und bringt auch absolute Spitzentees auf den Markt. Bedeutende Tee-Gebiete in Kyūshū sind vor allem Kagoshima, Ureshino, Yame, Miyazaki und Fukuoka.

Kagoshima

Kagoshima ist die zweitgrößte Teeanbauregion in Japan. Die Teefelder liegen im Süden relativ flach und sind sehr gut strukturiert, also bestens für die Maschinenernte geeignet. Kagoshima konnte daher in den letzten Jahren seine Produktion bei hervorragender Produktivität stark ausweiten. Als beste Regionen sind Chiran, Kirishima und Shibushi zu nennen, aus denen unter anderem besonders hochwertiger Sencha stammt. Alle wichtigen Informationen und Tipps zu den besten Terroirs, Sorten und Cultivars finden sich gesammelt im Beitrag Grüner Tee aus Kagoshima.

Gut bewirtschaftbare Teefelder im fruchtbaren und milden Süd-Chiran

Gut bewirtschaftbare Teefelder im fruchtbaren und milden Süd-Chiran, Kagoshima

Miyazaki

Diese Präfektur im Südosten von Kyūshū ist vor allem für seinen sehr guten Sencha, aber auch Fukamushi Sencha, Tamaryokucha und Kamairicha bekannt. Übrigens sind dort die Oolong Tees und Schwarztees ebenfalls sehr berühmt. Miyazaki hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und eifert der großen Nachbarpräfektur Kagoshima nach. Die berühmteste Region für Sencha ist Miyakonojo, das in einem besonderen geografischen Bassin mit eigenem Mikroklima liegt. Die nördlich gelegenen Regionen Gokase und Takachiho sind am berühmtesten für Kamairicha, Oolong und Schwarztee. Detaillierte Informationen finden sich im gesonderten Artikel Grüner Tee aus Miyazaki.

Fukuoka und Yame

Die Präfektur Fukuoka mit der kleinen Region Yame ist berühmt für seinen hervorragenden Gyokuro. Nur Uji erreicht die Qualitäten aus Yame. Die beiden Regionen bringen aber einen deutlich anderen Geschmackscharakter hervor, so dass sie sich hervorragend ergänzen.

Mie und Sencha

Die Präfektur Mie befindet sich auf der Hauptinsel Honshu in der Region Kinki. Mie ist die drittgrößte Anbauregion für Grünen Tee in Japan. Das Gebiet ist bekannt für seinen hochwertigen Sencha und vor allem für den halbbeschatteten Kabusecha. Aber auch sehr gute Gyokuros stammen von hier. Mie blickt auf eine lange traditionsreiche Geschichte im Teeanbau zurück.

Ujis Gyokuro, Matcha und Sencha

Uji ist eine Stadt/Region in der Präfektur Kyoto, südlich der Stadt Kyoto. Die Region ist mit etwa 3% der Produktionsmenge Japans nur ein relativ kleines Gebiet des Grünteeanbaus, aber weltweit für seine äußerst edle Qualität bekannt. Dort wird überwiegend beschatteter Tee angebaut, wie etwa Gyokuro und Tencha für Matcha. Uji gilt außerdem als die Wiege des japanischen Grüntees. Hier wurde auch das Herstellungsverfahren für den Sencha erfunden (Uji-Methode). Der Uji-Distrikt lieferte vor Jahrhunderten den berühmten Kaisertee und beliefert heute den Weltmarkt vor allem mit dem kostbarsten grünen Japantee, dem Gyokuro, Matcha und besten Senchas. Von diesen Sorten werden mit die höchsten Qualitäten Japans erzeugt. Beste Qualität für Sencha liefern die Regionen Ujitawara und teilweise Wazuka sowie für Matcha und Gyokuro: Tanabe, Ogura und Uchino Shirakawa.

Nishio (Aichi) und Matcha

Nishio, in der Präfektur Aichi, ist mit seinem milden Klima, dem fruchtbaren Boden und der feuchten Luft gespeist aus dem Fluss Yahagi ein ideales Anbaugebiet für die Grünteesorte Tencha. Da aus dem Tencha das vielbegehrte Teepulver Matcha gewonnen wird, ist es mit etwa 290 Tonnen Jahresproduktion eines der größten und besten Anbaugebiete Japans für Matcha (etwa 25% der Matcha-Produktion Japans). In der Region Aichi wird nur etwa 1% der gesamten Produktionsmenge Japans an grünem Tee angebaut.



2 Responses to “Anbaugebiete grüner Tee in Japan”

  1. Was spricht eigentlich gegen chinesischen grünen Tee? Der taucht hier ja gar nicht auf, warum?

    • Dr. Jörg Schweikart:

      Hallo Frau Mölle, es spricht grundsätzlich nichts gegen chinesischen grünen Tee. Eigentlich besitzt China die besten Regionen und Lagen für die Camellia Sinensis und die guten chinesischen Tees besitzen in Untersuchungen regelmäßig höchste Werte bei den interessanten Inhaltsstoffen. Problematisch ist leider, dass die allermeisten grünen Tees in China pfannenerhitzt werden. Dies ist der Wirkung des Tees sehr abträglich. Die Japaner dämpfen den Tee zumeist auf schonende Weise. Es gibt glücklicherweise einige Ausnahmen in China, die den Tee „backen“ und nicht rösten/pfannenerhitzen. Hier recherchiere ich derzeit und werde diese Tees auch in die Beschreibungen mit aufnehmen. Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass der weiße Tee – in vielem sehr mit dem grünen Tee verwandt – vor allem aus Fujian in China zu empfehlen ist. beste Grüße Jörg Schweikart

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