Geschichte der Kessel aus Gusseisen in Japan

 

Geschichte der Kessel aus Gusseisen in Japan

Wasserkessel aus Gusseisen (Tetsubin) besitzen in Japan eine große Tradition. Mit der Veränderung der Teezubereitung entwickelten sich auch beschichtete Teekannen.

Gusseiserne Kessel von der Entwicklung der Teezubereitung beeinflusst

Die Geschichte der Wasserkessel und Teekannen aus Gusseisen lässt sich in der heute dafür so berühmten Tohoku-Region (im Norden der Hauptinsel Honshu) bereits auf den Beginn des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen, also vor etwa 900 Jahren. Die Wurzeln reichen jedoch noch weiter zurück, da der Tee in seinen Anfangszeiten in Japan (ab etwa 800 n.Chr.) vor allem in großen Eisenkesseln zusammen mit anderen Nahrungsmitteln gekocht wurde. Im Süden Japans ist die Fertigung von gusseisernen Kessel deutlich vor dem 12. Jahrhundert belegt. In China wurde sogar bereits 1100 v.Chr. mit verschiedenen Sandguss-Verfahren gearbeitet. 

Im Laufe der Zeit änderte sich in China und Japan die Zubereitungsweise des Tees. Kochte man ursprünglich die Blätter in einem Eisenkessel zusammen mit anderen Lebensmitteln, entwickelte sich erst deutlich danach das Mahlen der Teeblätter und der Verzehr des Teepulvers (Matcha), sehr geprägt durch die Teezeremonie. Noch viel später wurden dann die getrockneten Teeblätter mit heißem Wasser in Kannen aufgegossen, so wie die Zubereitung heute am meisten verbreitet ist. Für weitere Details der Entwicklung der Zubereitung siehe den Beitrag Geschichte des Tees in Japan.

Beide neuen Zubereitungsarten, das Teepulver in der Teezeremonie und später der Teeaufguss, beeinflussten die Fertigung und Anwendung der gusseisernen Kessel in besonderem Masse. Während bei den Wasserkessel (Tetsubins) für die Teezeremonie vor allem die Verbesserung des Wassergeschmacks durch das Eisen, die Wärmeverteilung und -speicherung, die Ästhetik von Form, Material und Muster ausschlaggebend waren, gesellte sich für den Teeaufguss noch der Rostschutz in den Vordergrund.

Ursprünge der Nanbu-Tetsubins in Mizusawa und Yamagata

Anfang des 12. Jahrhunderts wurde in Mizusawa und Yamagata mit der Produktion gusseiserner Kessel begonnen. Für Mizusawa (seit 2006 in die neue Stadt Oshu eingegliedert) gewann der Samurai Fujiwara no Kiyohira einen Handwerksmeister für Eisenguss aus dem Süden Japans, der heutigen Shiga-Präfektur. Mit diesem konnte die Produktion aufgenommen werden. Etwa zur gleichen Zeit begann die Herstellung auch in Yamagata. Mizusawa rühmt sich daher die Geburtsstätte der Nanbu-Tetsubins zu sein.  

Fürst Nanbu fördert das Handwerk des Gusseisens (17. Jhdt)

Genau genommen bezieht sich die Bezeichnung Nanbu-Tetsubin aber auf eine spätere Periode. In der Region Tohoku (東北地方), setzte Anfang des 17. Jahrhunderts unter dem Einfluss des Fürsten Nanbu (南部) eine sehr prosperierende Zeit für das gusseiserne Handwerk ein. Nachdem Japan 1603 durch Tokugawa (徳川家康) geeint war, konnte sich das Land wirtschaftlich gut entwickeln, so dass eine größere Nachfrage nach gusseisernen Waren entstand. Die Eisengiesser, die bis dato vorwiegend durch das Land gezogen waren, ließen sich in Tohoku nieder. Fürst Nanbu war ein großer Anhänger der Teezeremonie, förderte die Fertigung der gusseisernen Wasserkessel in besonderem Masse und versammelte die berühmtesten Handwerker vor Ort (u.a. Suzuki (鈴木) , Koizumi (小泉), Arisaka (有坂), Fujita (藤田). Tohoku eignete sich besonders für das Eisenhandwerk, da es über sehr reiche und gute Eisensand-, Ton-, Wald- und Sandvorkommen verfügte.

Nanbu Tetsubin: Die hochwertigsten Kessel

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Region mit den Städten Morioka, Mizusawa und Yamagata zum führenden Zentrum für Eisenwaren und Tetsubins. Während Morioka heute für die hochwertigsten Wasser- und Teekessel aus Gusseisen bekannt ist, hat sich Mizusawa vorwiegend auf die Fertigung sonstiger gusseiserner Waren konzentriert. In Mizusawa existieren aber bis heute auch einige exzellente Hersteller. Zusammen werden sie mit dem angesehenen Qualitätsbegriff „Nanbu Tetsubin“ gerufen.  

Yamagata Tetsubin: Für die Teezeremonie

Yamagata hingegen war und ist bis heute stark von dem schlichten Stil der gusseisernen Kessel aus Kyoto beeinflusst. Dafür werden die Tetsubins aus dieser Region bis heute am meisten von den Teemeistern für die Teezeremonie geschätzt. Der größte Teil der Wasserkessel für die Teezeremonie (Kama: 釜) stammt aus Yamagata. Häufig werden die Yamagata-Kessel auch innen mit Silber ausgeschlagen und einem Kupferdeckel versehen. 

Früher existierten neben Kyoto auch kleinere Tetsubin-Fertigungsstätten in Shiga, Osaka, Kanazawa, Takaoka und Tokyo, die jedoch alle in der jüngsten Zeit ihre Produktion weitgehend einstellten.

Vom Satetsu zum Gantetsu

Bis zur Meiji-Restauration und Industrialisierung Japans verwendete man ausschließlich Eisensand (Satetsu) für die Herstellung des Gusseisens. Japan besitzt relativ große natürliche Vorkommen an Satetsu. Der Satetsu-Guss für die Tetsubins wurde in einem sehr aufwendigen Prozess, ähnlich wie für den Eisenguss für die hochwertigen Samurai-Schwerter, hergestellt. Guss aus Eisensand besitzt den Vorzug, dass es eine sehr große Materialdichte und wenig Kohlenstoff besitzt und somit kaum rostet. Mit dem Einzug industrieller Methoden des Eisengusses, vor allem des Graugusses, wurde eine kostengünstigere Produktion mit Felseisen (Gantetsu) aufgenommen, das allerdings rostet. Entsprechend kamen neue Methoden für den Rostschutz, insbesondere der Emaillierung der Innenseite und der Kamayaki-Beschichtung zur Anwendung.  Nähere Details finden sich im Beitrag Wasserkessel aus Satetsu.



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