hachijû-hachiya shincha 

88 Ya no Shincha (88. Nacht Shincha)

Der am 88. Tag nach dem Frühlingsbeginn geerntete Shincha (erster grüner Tee des Jahres) heisst 88 Ya no Shincha und gilt als besonders gesund und schmackhaft.

88. Nacht geernteter Shincha

Nur der an diesem speziellen Tag geerntete Shincha aus Shizuoka in Japan (oder umliegende Regionen mit gleichem Klima), nämlich 88 Nächte ab dem Frühlingsbeginn Risshun, trägt den Namen „88 Ya no Shincha“ (jap.: 八十八夜摘み新茶), was übersetzt „88. Nacht geernteter Shincha“ bedeutet (,engl. 88th night shincha). „Ya“ heißt im Japanischen Nacht. Er wird auch „hachijû-hachiya shincha“ (jap.: 八十八夜新茶), gerufen, was übersetzt: „88 Nächte Shincha“ heißt.

Der am 88. Tag geerntete Tee aus Shizuoka gilt aufgrund seiner Symbolik, der langen Tradition und dem perfekten Reifezeitpunkt als besonders gesund, wertvoll und ist noch seltener als „herkömmlicher“ Shincha. In verschiedenen Regionen Japans, insbesondere Shizuoka und Uji wird diese Ernte durch die Teefarmer besonders gefeiert. Besucher dieser Feierlichkeiten dürfen den Tee selbst mit der Hand pflücken.

Shincha, der erste Frühlingstee

Der allererste grüne Tee des Jahres, der Frühlingstee Shincha, ist eng mit den traditionellen Frühlingsfeiern und –riten Japans verbunden. Der Frühlingsanfang wird hier, wie auch in China, wesentlich ausgeprägter gefeiert, als dies in der westlichen Kultur der Fall ist. Die chinesische Neujahrsfeier findet entsprechend auch um den Frühlingsanfang herum statt. Die Frühlingsbräuche wurden in Japan bereits sehr früh von China übernommen (etwa im 8. Jhdt. n.Chr.), aber – wie häufig in der japanischen Kultur – noch weiter verfeinert, um vor allem die Jahreszeitenwechsel in Japan präziser darzustellen.

Shincha entspricht traditionell dem Sencha, wird aber auf besonders sorgfältige Weise geerntet und ist der Sencha der allerersten Pflückung. Weitere Informationen finden sich im Beitrag Shincha Tee.

Die japanischen Jahreszeitenwechsel – Zassetsu

Der Tag vor dem Frühlingsanfang, gemäß dem Lunisolarkalender, wird in Japan Risshun (jap.: 立春, auch Setsubun) genannt. Er datiert auf Anfang Februar (in 2016 auf den 3.2.) und ist Teil des Frühlingsfestes Haru matsuri (jap.: 春祭). Es gehört zu den wichtigen Tagen des Jahres, die den Wandel der Jahreszeiten darstellen (Zassetsu, jap.: 雑節). Ursprünglich existierten 24 Jahreszeitenabschnitte  – sogenannte Nijūyon sekki(jap.: 二十四節気) des alten Kalenders, vor allem: Risshun (Beginn des Frühlings), Shunbun (Frühling Equinox / Tagundnachtgleiche, jap.: 春分), Rikka (Beginn des Sommers, jap.: 立夏), Geshi (Sommer Sonnenwende, jap.: 夏至), Risshū (Herbstbeginn, jap.: 立秋), Shūbun (Herbst Equinox, jap.: 秋分), Rittō (Winterbeginn, jap.: 立冬) und Tōji (Winter Sonnenwende, jap.: 冬至).

Japanische Frühlingsbeginn Risshun und Ende des Frosts Hachijuhachiya

Am Risshun wird in einem speziellen Ritual namens Mamemaki (jap.: 豆撒き, übersetzt: Bohnen Werfen, engl.: bean scattering) alles Böse des letzten Jahres ausgetrieben und auch böse Geister für das kommende Jahr ferngehalten.

Der Grund, weshalb die Jahreszeitenwechsel so genau festgelegt und gefeiert wurden, liegt in der damaligen großen Bedeutung der Landwirtschaft. Eine genaue Kenntnis dieser Tage half den Farmern bei der Optimierung der Ernteerträge und dem Anbau. Insbesondere war der späte Frühlingsfrost gefürchtet, der die gesamte Arbeit des Jahres ruinieren konnte. So wurde das Ende der Frost-Saison und eines stabileren Wetters sehnlichst erwartet. Dieser Zeitpunkt wird traditionell „Wakarejimo des Hachijuhachiya“(Hachiju-hachiya no wakarejimo, jap.: 八十八夜の別れ霜) – kurz Hachijuhachiya – gerufen.

88 Nächte ab Risshun: Ernte am 2. Mai

In der Hauptregion für grünen Tee Shizuoka und umliegenden Regionen mit ähnlichem Klima (wie z.B. Uji) liegt der Hachijuhachiya traditionell 88 Nächte nach Risshun (als ersten Tag mit gezählt), also am 87. Tag danach.  Tee der zu diesem Zeitpunkt geerntet wird, gilt als der am meisten angesehene und begehrteste Tee.

Der Grund weshalb es sich um 88 Nächte und nicht Tage handelt, liegt darin, dass damals die Ernte in der kühleren Nacht einen besseren Tee ergab, aufgrund der geringeren Oxidation der Teeblätter. Auch heute noch wird der 88 Nächte Shincha traditionell nachts geerntet.

Der 88. Tag (inkl. Risshun) fällt je nach Kalenderjahr meist auf den 2. Mai, in Schaltjahren auch auf den 1. Mai und teilweise sogar auf den 3. Mai. Der 88 Ya no Shincha wird entsprechend direkt am 2. Mai verarbeitet und schnellstmöglich zu den Kunden geliefert. Außerhalb Japans wird er per Luftfracht versendet, ist aber nur in sehr begrenzter Menge verfügbar.

Diese Tradition begann in Shizuoka und gilt nur für diese und Regionen mit ähnlichem Klima (wie z.B. Uji). Denn z.B. in den subtropischen Regionen wie Kagoshima oder Miyazaki ist zu diesem Zeitpunkt die Ernte großteils bereits vorüber.

88 Ya no Shincha ist besonders gesund und schmackhaft

Zum einen besitzt die Zahl 88 in der asiatischen Kultur eine besondere Bedeutung und steht für Glück. Das rührt daher, weil sich aus der Zahl 88 (jap.: 八十八) der Buchstabe für das so wichtige Wort für Reis (jap.: 米)entwickelte. Zum anderen ist die Zahl Acht (jap.: 八) für Farmer von vielversprechender Bedeutung, weil sie Vielfalt (Divergenz) symbolisiert.

Doch neben der symbolischen Bedeutung stellt dieser Erntezeitpunkt auch tatsächlich ungefähr einen idealen Zeitraum im Frühling für die Entwicklung und Ausbildung der jungen Teetriebe (in Shizuoka und Regionen mit ähnlichem Klima) dar. Wird der Tee zum besten Zeitpunkt geerntet, besitzt er den besten Mix und Gehalt an Inhaltsstoffen und wird auch entsprechend den besten Geschmack und die beste Wirkung entfalten. So entwickelte sich die Legende, dass Tee, der zur 88. Nacht geerntet wird, ein Jahr guter Gesundheit verspricht und das Leben verlängert.

Shincha kaufen Tipp

Eine Teefarm, die (in Shizuoka und umliegenden Regionen) am 88. Tag Shincha ernten kann, darf sich besonders glücklich schätzen. Er gilt als besonders gesund und schmackhaft. Aber nicht jeder Tee von diesem Tag ist automatisch ein Spitzentee. Wie bei allen anderen Teesorten auch, lohnt sich auch hier der Vergleich. Vor allem gilt, nur weil der Tee bei einem Händler teuer verkauft wird, ist er nicht unbedingt besonders gut. Gerade beim 88 Ya no Shincha und beim Shincha generell, verlangen die Händler oft überteuerte Preise und nutzen aus, dass der Tee so rar ist. Man sollte darauf achten, von welcher Teefarm der Tee kommt, ob es dazu Bilder und die wichtigsten Angaben gibt und vor allem, ob der Händler direkt von der Teefarm ohne Zwischenhändler importiert. Nur so können vernünftige Preise zu guter Qualität geboten werden. Ein guter 88 Ya no Shincha ist aber in jedem Fall der Höhepunkt des Grüntee-Jahres und ist besonders gesund.




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